Reiseberichte 2014 – 2018 – zum Teil mit Filmen/Bildern

Reisebericht Kakamega/Kenia vom 10. bis 25. November 2018

Am Samstag, den 10. November traf sich unsere Truppe, Bernadine, Sybilla, Armin, Anette, Thomas, Erwin, Barbara, Sabine, Marga, Anna-Lena und Jacqueline, am Frankfurter Flughafen, um sich erneut auf den Weg nach Kakamega zu machen. Bernadine, die Seele des Vereins, und Sybilla waren ja schon vielfach dabei, auch für die meisten anderen war es keine neue Erfahrung. Aber eine ein wenig abenteuerliche Herausforderung ist es allemal.Nach einem reibungslosen, achtstündigen Flug landeten wir am späten Abend in Nairobi und wurden mit dem Bus ins dortige Kolpinghotel mit Jugendherbergscharme gebracht.

Am nächsten Tag erlebten wir auf dem Weg ins Elefantenwaisenhaus die brodelnde Hauptstadt Kenias. Aber unser Busfahrer navigierte uns sicher durch die überfüllten Straßen. Im Elephant Orphanage war es ein Vergnügen, die verwaisten Jungelefanten zur Fütterung traben zu sehen. Sie nuckelten ihre Milchflaschen, fraßen grüne Zweige und wälzten sich im Schlammbad. Zutraulich ließen sie sich sogar streicheln. Nach einer Stunde war das Schauspiel zu Ende, und die Elefanten zogen sich wieder in den Busch zurück. Anschließend stand ein Besuch auf dem Massai-Markt auf dem Programm. Das war ein buntes Gewimmel von Anbietern und Käufern. Schmuck, Stoffe, Holzschnitzereien, Bilder, Schuhe und vieles mehr wird dekorativ ausgebreitet. Jede/r ist dein Bruder oder deine Schwester, jede/r will mit lebhaftem Anpreisen seine Ware an den Mann/die Frau bringen. Wenn man einen kühlen Kopf bewahrt und geschickt verhandelt, kann man dort schönes, exotisches Kunsthandwerk erstehen. Auf dem Rückweg ins Hotel gerieten wir in den Feierabendverkehr. Viel Stop und wenig Go. Man musste schon Geduld mitbringen, aber schließlich kamen wir doch an. Auch den dritten Tag verbrachten wir in Nairobi. Heute stand ein Ausflug in den Nairobi Nationalpark auf dem Programm. Der Weg dorthin führte uns durch den großen Slum. Ein bedrückendes Erlebnis: heruntergekommene Wellblechhütten, Schuttberge am Weges-rand, in denen Kinder spielen und Ziegen nach Essbarem suchen, Resignation und Hoffnungslosigkeit. Im Nationalpark aber, konnten wir auf einer mehrstündigen Safari vor der Großstadtkulisse Nashörner, Giraffen, Antilopen, Büffel und sogar eine Puffotter beobachten. Nur die Löwen hielten sich verborgen.

Am Dienstag schließlich machten wir uns auf die lange Fahrt nach Kakamega, unserem eigentlichen Ziel. Begleitet von unseren Security-Leuten Ben und Collins, chauffiert von einem umsichtigen Busfahrer, ein gutes Dutzend Polizeikontrollen passierend, erreichten wir nach 11-stündiger Fahrt auf einer durchgängig geteerten, aber stark befahrenen Straße das Schwesternhaus. Dort wurden wir herzlich von Schwester Genevieve empfangen. Mit großer Freude begrüßte sie die bekannten und neuen Besucher. Nach einer erholsamen Nacht waren wir dann alle gespannt auf die Kinder im Waisenhaus. Mit Gesang und Rosen wurden wir von Diana, der Betreuerin, den „Mamas“, die fürs Kochen zuständig sind und den Kindern begrüßt, umarmt und geherzt. Alle freuten sich über das Wiedersehen.

Sabine und Marga beschäftigten sich während der zwei Wochen hauptsächlich mit den Kindern. Begeistert waren diese von den mitgebrachten Spielsachen. Vor allem die Legos sind besonders gut angekommen. Von früh bis spät wurden die fantasievollsten Konstruktionen gebaut. Mit den Spielzeugautos von Opel wurden Rennen veranstaltet. Auch Jenga, Mau-Mau, Seilspringen und Memory haben wir zusammen gespielt. Und wie letztes Jahr hatten die Kinder große Freude daran. ihre Gesichter als Schmetterling, Prinzessin. Leopard oder Spiderman schminken zu lassen. Barbara sortierte mithilfe von Anette die Kleiderspenden und teilte sie nach und nach aus. Das erforderte bei knapp 60 Kindern logistisches Geschick und viel Zeit. Auf mehrjährige Erfahrung zurückgreifend, meisterten sie die Herausforderung souverän. Die Männer Armin, Thomas und Erwin, alles gestandene Handwerker, machten sich zusammen mit den einheimischen Arbeitern um deren Chef John unverzüglich an den Bau des Kuhstalles, der auf einem etwas entfernt liegenden Grundstück errichtet wurde. Das Beschaffen der Arbeitsmaterialien beim „Indianman“ Cherac war manchmal zeitraubend, schließlich aber doch erfolgreich, sodass am Ende unseres Aufenthaltes der Kuhstall stand.

Am Freitag wurden feierlich die Geschenke der Paten an die Kinder verteilt. Ich hatte den Eindruck, dass manche von ihnen fast benommen waren von der Fülle der Gaben. Neben dem „Luxus“ mussten aber auch notwendige Dinge angeschafft werden. Die Kinderfüße sind im Verlauf eines Jahres doch gewachsen, deshalb wurden im großen Stil Schuhe gekauft. Auch neue Büchertaschen mussten erstanden werden. In den nächsten Tagen ging jeder so seiner Arbeit nach. Anna-Lena und Jacqueline malten mit Spezialfarbe eine Tafel im Bildungshaus an die Wand und tünchten auch die Frontseite des Waisenhauses. Darauf soll später das Logo von „In Our Own Quiet Way“ prangen. Zu ihrer großen Freude spielten sie mit den Jungs Fußball. Armin, Erwin und Thomas bauten mit den kenianischen Arbeitern unter brütender Sonne den Kuhstall. Aber auch Renovierungsarbeiten mussten im Waisenhaus ausgeführt werden, z. B. das Reinigen der Dachrinne, das Ausbessern des Fußbodens, in dem große Löcher waren und das Anbringen von Waschbecken auf einer Holzkonstruktion an der Hauswand.

Der Sonntag ist der religiöse und gesellschaftliche Höhepunkt der Einheimischen. Auch wir nahmen am Gottesdienst teil. Über drei Stunden wurde getanzt, gesungen, gepredigt und gebetet. Danach hatten wir uns ein Mittagessen bei Bischof Sulumeti redlich verdient. Abgeschlossen hinter Mauern, von einem gepflegten Garten umgeben, von Personal verwöhnt, residiert er in seinem Alterssitz. Auf der Veranda haben wir kühles Tusker, Rotwein oder Limonade getrunken, uns nett unterhalten und den warmen Sonntag genossen.

Am Montag wurden die Arbeiten fortgesetzt. Die Handwerker erwarteten einen Laster mit Material, um weiterarbeiten zu können. Der Laster kam nicht! Stillstand! Frustration! Was war los? Die Polizei konfiszierte aus nicht nachvollziehbaren Gründen das Auto plus Ladung und dirigierte es zum Präsidium. Aber die Polizisten haben nicht mit Bernadine gerechnet. Unverzüglich eilte sie hin, um den „Arm des Gesetzes“ in den Senkel zu stellen – erfolgreich. Die Ladung konnte zur Baustelle gebracht und die Arbeiten fortgesetzt werden.

Abends waren wir häufig eingeladen. Das machte unseren Aufenthalt einmalig, denn als Normaltourist kommt man kaum mit der Bevölkerung in Kontakt. Besonders herauszu-heben sind das Eiercurry, das Chetan uns zubereitete und die Party bei Cherac, dem Besitzer des Baumarktes. Seine Mutter und eine kenianische Köchin haben uns die köstlichsten indischen Speisen zubereitet. Die medienaffine Anna-Lena hat dann für Musik von Andrea Berg, Helene Fischer, Andreas Gabalier usw. gesorgt. Und unversehens hatten wir die ausgelassenste Tanzerei. Ein besonderes Erlebnis war auch die Einladung bei Father Vincent Sanka in Malawa. Schwester Genevieve meinte, das sei ganz in der Nähe einer Niederlassung ihres Ordens in Wubuye. Da könnte man doch auf dem Weg vorbeischauen. Die Fahrt nach Malawa dauerte etwa eine Stunde. Dann waren wir aber durchaus nicht gleich im Schwesternhaus. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde auf einer holprigen „road in construction“ kamen wir endlich kurz vor der Dunkelheit an. Das sorgte für allgemeines Murren. Deshalb wurde der Besuch stark verkürzt. Man muss wissen, dass das Fahren bei Dunkelheit ziemlich gefährlich werden kann, denn es teilen sich Fußgänger, Radfahrer ohne Licht, Laster und Autos, die auch nicht immer ausreichend beleuchtet sind, die Straße. Schließlich haben wir dann aber doch noch ein nettes Abendessen bei Father Vincent gehabt. Auf dem Heimweg wurden die aufgetürmten Wolken dramatisch von Wetterleuchten erhellt. Großes Theater!

Und schon war der letzte Tag herangekommen. Am Samstag, 24. November wurde die Fertigstellung des Kuhstall-Rohbaus feierlich begangen. Hühner wurden geschlachtet, Ugali und Kraut gekocht. Die Arbeiter aßen mit Appetit und hinterher wurden sie und ihr Werk aus allen Blickwinkeln fotografiert. Die Kinder haben uns auch einen berührenden Abschied mit Liedern und Reden beschert und uns Gottes reichen Segen gewünscht. Am meisten aber wünschten sie sich, dass wir wiederkommen mögen. Am Samstagabend feierten wir mit den Schwestern und den kenianischen Freunden Abschied. Am Sonntag brachen wir nach Kisumu auf, von wo wir nach Nairobi flogen, um von hier unsere lange Rückreise anzutreten. Nur Bernadine und Sybilla blieben noch eine weitere Woche. Es gibt ja so viel zu tun! Es war wieder ein erfüllender Aufenthalt mit vielen Eindrücken und Erfahrungen.

Margareta Erbacher

In Ergänzung zum folgenden Reisebericht 2017 die Präsentation auf der Mitglieder-versammlung im April 2018 zum aktuellen Stand unserer Projekte!

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Reisebericht Kakamega im November 2017

05.11.2017

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht! Unsere kleine Reisegruppe, bestehend aus Bernadine, Sybilla, Barbara, Marga, Erika und mir, trifft sich in der riesigen Abflughalle des Frankfurter Flughafens. Wir alle sind sehr gespannt, was uns auf der gemeinsamen Reise so erwarten wird. Nach problemlosem Check-In, das Feststellen des Koffergewichts ist immer ein spannender Moment, besteigen wir auch schon recht bald unseren Flieger nach Nairobi. Unser Flug verläuft sehr entspannt und nachdem etwa der Hälfte der Strecke geschafft ist, geht es auch schon ans Ausfüllen der notwendigen Einreise-Dokumente. Die Zeit vergeht „wie im Flug“ und nach ca. 7,5 Stunden landen wir auch schon in Kenias Hauptstadt. Nachdem wir unsere Visa erhalten haben, folgt der obligatorische Marsch durch die kenianische Zollabfertigung. Hier müssen wir zwar zwei Koffer öffnen, aber die nette diensthabende Dame vom Zoll lässt uns dann doch nach einer kurzen Diskussion um den Inhalt unseres Gepäcks und dem Vorzeigen unseres „Mission Letters“ unbehelligt passieren. Vor dem Flughafen werden wir schon von Collins und Ben erwartet und ganz herzlich begrüßt. Nachdem alles Gepäck in den beiden Fahrzeugen verstaut ist, versuchen Bernadine und ich noch im nahegelegenen Cargo-Center an unsere zusätzlichen Koffer, die wir im Voraus mit Unterstützung von Immo Walter, der für LH arbeitet, bereits verschickt hatten, zu kommen. Das gestaltet sich aber nicht ganz so einfach und wir werden auf den folgenden Tag vertröstet.

Als wir schließlich gegen Mitternacht an unserer Unterkunft im Kolping-Center Langata ankommen, sind wir alle ziemlich erschöpft, werden aber noch mit einem leckeren Midnight Dinner verwöhnt. Danach wird noch kurz der folgende Tag geplant und dann geht’s endlich ab ins Bett.

06.11.2017

Da heute zweierlei wichtige Aufgaben zu erledigen sind, teilen wir unsere Gruppe auf. Sybilla, Barbara, Erika und Marga machen sich in Begleitung von Ben auf in die Innenstadt von Nairobi, um in Läden und auf Handwerkermärkten die in Deutschland sehr beliebten kenianischen Mitbringsel zu besorgen, die wir auf verschiedenen Veranstaltungen immer zum Verkauf anbieten. Auf ihrer Tour bleibt auch noch genügend Zeit, um einen kurzen Abstecher ins Elefanten-Waisenhaus etwas außerhalb von Nairobi zu unternehmen. Bernadine und ich sind schon etwas früher zusammen mit Collins unterwegs zum African Freight Center, um an unsere vorausgeschickten Koffer zu gelangen. Hier beginnt nun für uns eine lange Odyssee durch den Verwaltungs- und Behördendschungel des kenianischen Imports. Es handelt sich zwar nur um „Sachspenden ohne hohen materiellen Restwert“, gebrauchte Kinderkleidung eben, aber wir hätten nicht im Traum daran gedacht, dass wir fast 8 Stunden brauchen würden, um besagte Gepäckstücke wieder in Empfang nehmen zu können. Mit unvorhergesehenen Kosten für den erforderlichen „Vermittlungs-Agenten“, die Lagerung, das Handling sowie den Zoll hatten wir nicht wirklich gerechnet. Aber gut, so ist das eben hier in Kenia! Am frühen Abend, zurück in unserer Unterkunft, stoßen dann auch Lothar und Franz, die mit einer anderen Fluglinie angereist sind, noch zu uns und vervollständigen unser diesjähriges Team. Beim gemeinsamen Abendessen leisten uns Flora, eine frühere Klassenkameradin von Bernadine, und Sadig Gesellschaft. Sadig ist gerade dabei, seine eigene kleine Tauchschule im Mombasa aufzubauen und erhält durch seine Pateneltern tatkräftige Unterstützung u. a. in Form von Ausrüstungsgegenständen. Wir sitzen gemütlich beisammen und tauschen uns über das Erlebte des zurückliegenden Tages aus. Ein kühles Tusker darf dabei natürlich nicht fehlen. Spät wird es am heutigen Abend aber nicht, denn wir möchten am nächsten Tag recht früh aufbrechen, um vor Einbruch der Dunkelheit in Kakamega anzukommen.

07.11.2017

Kurz nach 7:00 Uhr brechen wir auf in Richtung Kakamega. Wir fahren mit dem gleichen geräumigen Van wie letztes Jahr und auch der Fahrer ist uns bestens bekannt. Ben und Collins begleiten uns bei regnerischem Wetter auf der nächsten „Etappe“ unserer Reise. Das schlechte Wetter hält leider während der ganzen Fahrt an und so können wir die sich eigentlich auf unserer Route bietenden wunderschönen landschaftlichen Ausblicke wegen tiefhängender Wolken und meist beschlagenen Scheiben nicht wirklich genießen. Wir kommen trotzdem gut voran, aber kurz hinter Naivasha fährt uns ein nachfolgender Bus im dichten Verkehr aufs Heck. Dabei wird zu allem Übel durch den nach vorne stehenden Rückspiegel des Busses unsere Heckscheibe zertrümmert. Ansonsten ist niemandem etwas passiert. Die beiden Fahrer einigen sich nach längerer Diskussion, wie der Schaden reguliert werden soll, und das ganz ohne Polizei. Lothar, Franz und ich kümmern uns in der Zwischenzeit um einen „Ersatz“ für unsere Heckscheibe, da ein Fahrzeugwechsel viel Zeit in Anspruch nehmen und zusätzliche Kosten verursachen würde. Zum Glück hat unser Van eine große Abdeckplane für Dachgepäck an Bord, die wir mit unseren mitgebrachten Kabelbindern und einem Seil „fachgerecht“ am Dachträger und der Stoßstange befestigen. Es gelingt uns, eine recht stabile und dichte Konstruktion zu realisieren, sodass wir nach etwas mehr als einer Stunde unsere Fahrt fortsetzen können. Unser Provisorium bewährt sich recht gut, der Fahrzeuginnenraum bleibt trocken und windgeschützt.

Von den politischen Unruhen im Land wegen der Präsidentschaftswahlen bekommen wir während der gesamten Fahrt nichts mit. Selbst in Kisumu, der Hochburg des kenianischen Oppositionsführers, ist die Lage sehr ruhig. Unsere kenianischen Begleiter, samt Fahrer übrigens Angehörige von drei verschiedenen Stämmen, haben vorher entsprechende Informationen über unsere Reiseroute eingeholt und so zusätzlich eine sichere Fahrt gewährleistet.

Nach ca. 10 Stunden erreichen wir dann endlich wohlbehalten unsere Unterkunft in Kakamega, werden im Convent der Sisters of Mary sehr herzlich empfangen und treffen liebe Bekannte wieder. Der Convent steht seit einiger Zeit unter der Leitung von Sister Genevieve. Sister Magdalena wurde in einen anderen Convent versetzt. Später bekommen wir noch ein leckeres Abendessen serviert, besprechen kurz den morgigen Tagesablauf und gehen ziemlich erschöpft zeitig zu Bett.

 08.11.2017

Gleich nach dem Frühstück holt uns Joseph, unser Fahrer für die nächsten zwei Wochen, ab und wir fahren Richtung Waisenhaus. Die Straßenverhältnisse auf der ursprünglichen Strecke zum Waisenhaus haben sich nicht verbessert, sodass wir auf der kurzen Strecke ordentlich durchgeschüttelt werden. Mittlerweile gibt es auch eine gut ausgebaute zweite Strecke, die von der anderen Seite her zum Waisenhaus führt und auf der lediglich die letzten ca. dreihundert Meter noch ähnlich einer Schotterpiste sind. Diese Strecke nutzen wir dann während unseres Aufenthalts natürlich so oft wie möglich.

Am Waisenhaus angekommen, gehen wir die letzten Meter zu Fuß und können bereits von weitem unser ganz persönliches Begrüßungslied hören. Scheinbar hat jemand „Schmiere gestanden“ und uns angekündigt. Als sich dann das große Tor öffnet, werden wir alle ganz herzlich mit einer Rose begrüßt, unzählige Male umarmt und müssen viele, viele Hände schütteln. Die Kinder sind sehr froh, dass wir nun endlich angekommen sind und auch wir freuen uns auf spannende und ereignisreiche Tage. Recht bald nach der Begrüßung machen wir dann auch schon eine erste kleine Bestandsaufnahme, was es in den nächsten beiden Wochen zu erledigen gilt. Diana, eine sehr engagierte junge Frau, die ihr Studium abgeschlossen und seit einem halben Jahr ein Praktikum in unserem Waisenhaus absolviert, unterstützt uns dabei. Unser Hauptaugenmerk liegt in diesem Jahr auf den sanitären Anlagen, die wir z. T. erneuern und auch ausbauen möchten. Es soll ein entsprechender Neubau mit drei Toiletten und drei Duschen realisiert werden. Hier machen wir uns erste Gedanken über den Standort und die Organisation der Bauarbeiten. Lothar und Franz erstellen bereits erste Pläne. Auch die Wasserver- und entsorgung ist immer ein Thema. Hier leistet PAUL, die im letzten Jahr mitgebrachte Wasserreinigungsanlage, nach wie vor gute Arbeit. Der Rauchabzug bzw. Ofen der neuen Küche muss verbessert und verschiedene kleinere Dinge wieder in Stand gesetzt werden. Es gibt also reichlich zu tun. Am Nachmittag gehen wir dann gemeinsam zum Bildungshaus, um dort ebenfalls nach dem Rechten zu sehen. Die vor einem Jahr installierte und aufgebaute Technik ist in sehr gutem Zustand. In der Schreinerwerkstatt und der Nähstube wird fleißig gearbeitet. Die Elektro- und PC-Ausbildung findet einmal wöchentlich, meist samstags statt. Die Investitionen in das Bildungshaus tragen also bereits Früchte. Wie immer vergeht die Zeit wie im Flug und bevor es dunkel wird machen wir uns auf den Weg zurück in die Unterkunft.

 09.11.2017

Heute beginnen wir den Tag mit einer Frühmesse in der kleinen Kapelle des Convents. Nach dem Frühstück steht wie gewohnt unser Klein-Bus vor dem Haus, der uns zunächst in die Innenstadt bringt. Hier treffe ich mich mit Lothar und Franz, die ihr Quartier mittlerweile, wie bei ihrem ersten Besuch in Kakamega vor zwei Jahren, bei Bishop Stam haben. Wir besorgen beim indischen Händler etliche Dinge, die wir für die ersten Reparaturen an den sanitären Anlagen des Hauptgebäudes benötigen. Auch ein Werkzeug zum Gewindeschneiden können wir uns gegen eine entsprechend Gebühr ausleihen. Wir versprechen, dieses um 17:00 Uhr zurückzubringen und man hat vollstes Vertrauen in die „Mzungus“, dass das auch klappt. Später leihen wir dieses Werkzeug noch sehr oft aus. Mit einem Tuc Tuc fahren wir schließlich zurück zum Waisenhaus und beginnen mit den ersten Arbeiten, stets unterstützt durch John (der Mann mit der Baufirma) und sein Team.

Bernadine, Sybilla, Barbara, Erika und Marga haben sich während unserer Abwesenheit bereits um die ersten vorausgeschickten Pakete gekümmert und auch mit den Kindern gespielt. Schminken, Sing- und Tanzspiele sorgen hier für leuchtende Kinderaugen und ganz viel Spaß.

Zwischendurch macht die kenianische Regenzeit mit kurzen aber heftigen Schauern ihrem Namen alle Ehre. Bernadine regelt wie immer im Hintergrund viele wichtige organisatorische Dinge. So kommt am späten Nachmittag eine große Lieferung Mais, die bei strömenden Regen rasch durch etliche helfende Hände im Lagerraum verstaut wird. Schließlich neigt sich auch dieser anstrengende aber auch erlebnisreiche Tag seinem Ende. Abends im Convent gibt es das gewohnt leckere Essen, Chetan unser stets zuverlässiger und hilfsbereiter „Haus- und Hoflieferant“ kommt noch auf ein kühles Tusker vorbei und die allabendliche Besprechung der Aufgaben für den nächsten Tag fehlt natürlich auch nicht.

 10.11.2017

Den heutigen Tag verbringen Franz, Lothar und ich überwiegend mit Planungs- und Vermessungsarbeiten sowie organisatorischen Dingen rund um den Neubau.

Marga und Erika beschäftigen sich wieder ausgiebig mit den Kindern und bringen so viel Abwechslung in deren Alltag. Sie vertreiben den Kindern mit verschiedenen Spielen, dem Singen von Liedern und natürlich wieder mit einem Schminktisch die Zeit. Es sind oft die einfachen Dinge, die den Kindern am meisten Spaß bereiten und die beiden widmen sich ihrer Aufgabe mit großer Begeisterung.

Sybilla erkundigt sich bei den älteren Mädchen in einer reinen „Damenrunde“, was diesen so alles auf dem Herzen liegt. Aber auch für die jüngeren Kinder hat sie zwischendurch stets ein offenes Ohr und erfährt so viel über deren Alltagssorgen. Solche persönlichen Gespräche sind überaus wichtig, um mehr über die Bedürfnisse und die jeweilige Situation eines jeden einzelnen Kindes zu erfahren.

Barbara ist die meiste Zeit in ihrer „Kleiderkammer“ und sortiert fleißig Kleidungsstücke nach Größe und Geschlecht. Das macht sehr viel Arbeit, die sie aber gerne und mit viel Freude erledigt. Ab und An kommt sie dann auch mal auf den Hof, um ein wenig afrikanischer Sonne zu tanken.

Auch für unser diesjähriges „Großprojekt“, das neu zu bauenden Dusch- und Toilettengebäude, werden im Lauf des Tages schon die ersten Vorarbeiten geleistet. Lothar kümmert sich um die Leerung der bereits vorhandenen Grube und zeichnet später detaillierte Pläne für den Neubau. Franz macht sich entsprechend Gedanken um die spätere Wasserversorgung und -entsorgung. Ich assistiere hier und da ein bisschen und sorge mit mehreren fleißigen Helfern dafür, dass das Oberflächenwasser nicht mehr in die geleerte Grube fließen kann und diese unnötig füllt. Das gelingt uns mit Hilfe eines provisorischen Grabens entlang des Gemüsegartens. Später helfe ich noch Brian und Dennis dabei, Drahtgeflechte an die beiden Türen des Hasenhauses anzubringen. Diese können nun tagsüber stets offenbleiben, sodass es im Hasenhaus nicht mehr so extrem heiß wird und stets Frischluft hineinströmen kann. Den Hasen gefällt‘s, sie genießen gleich ihre neue Aussicht. Die Idee zu dieser Verbesserung hatte übrigens Erika, der das Wohl der Hasenfamilie sehr am Herzen liegt. Nun, die Zeit vergeht auch heute wieder rasend schnell und nachdem Bernadine vom letzten ihrer heutigen organisatorischen „Ausflüge“ zurückkehrt, trommelt sie ihr Team zusammen und es geht zurück in die Unterkunft.

Franz und Lother bleiben auch heute wieder etwas länger am Waisenhaus als der Rest der Gruppe. Lothar sitzt noch in seinem „Büro“ und zeichnet fleißig Pläne, Franz hilft tatkräftig in Johns Team bei der Verlegung der Abwasserrohre mit.

Erwähnenswert finde ich noch den leckeren Viktoria-Barsch, frisch aus dem nahege-legenen Viktoriasee bei Kisumu gefangen, den wir zum Abendessen serviert bekommen. Ein Extra-Lob an das Küchenteam um Millicent und ihre Helfer!

 11.11.2017

Der heutige Tag gestaltet sich ähnlich wie der gestrige. An der Grube werden noch letzte Arbeiten durchgeführt, so dass diese nun wieder voll funktionstüchtig ist. Weitere Leitungen für das Abwasser aus dem Haupthaus werden verlegt, allerdings geht uns hier gegen Mittag das Material aus und es müssen erst wieder neue Rohre besorgt werden. Ein altes, nicht mehr in Betrieb befindliches Toilettenhaus wird von Johns Leuten abgerissen und der Bauschutt entsorgt. Wegen des Neubaus werden noch letzte Details besprochen und schließlich das erforderliche Baumaterial geordert. Außerdem widmen wir uns im Lauf des Tages noch dem Rauchabzug in der neuen Küche, der leider noch nie richtig funktioniert hat und das Arbeiten darin doch erheblich erschwert. Wir sind uns einig, dass der vorhandene Ofen unbedingt umgebaut und auch die Zwischendecke des Raums entfernt werden muss.

Marga und Erika sind wie gewohnt ganz für die Kinder da und unterhalten sie mit Vorlesen, Ausmalen und vielerlei Anderem.

Bernadine, Barbara und Sybilla fahren nachmittags mit einigen Kindern in die Innenstadt, um noch Kleidungsstücke und Schuhe zu kaufen, die benötigt werden, aber nicht in unserem mitgebrachten Sortiment waren.

 12.11.2017

Es ist Sonntag und wir besuchen am Morgen den Gottesdienst in der St. Joseph Church, der so ganz anders gestaltet wird, wie wir das aus Deutschland gewohnt sind. Die Messe ist sehr feierlich und stimmungsvoll mit viel Gesang und Tanz. In deren Verlauf werden auch verschiedene Gaben zum Altar gebracht und hier dürfen wir uns mit einigen mitgebrachten Lebensmitteln in die lange Schlange der Überbringer einreihen.

Zum Mittagessen sind wir bei Chetan zu Hause eingeladen. Er und seine Frau bereiten uns ein vorzügliches indisches Mehrgänge-Menü, bei dem das Leibgericht von Chetan „Egg-Curry“ natürlich nicht fehlen darf. Dazu trinken wir Tusker und Rotwein.

Am späten Nachmittag machen wir noch einen kurzen Abstecher zur Familie unserer Convent-Leiterin Sister Genevieve. Ihr Zuhause liegt sehr schön etwas außerhalb der Stadt und wir verbringen dort zwei wunderschöne Stunden bei Tee und leckerem Gebäck. Als kleines Dankeschön für unseren Besuch bekommen wir dann noch zwei lebendige Hühner mit auf den Weg!

Den Abend verbringt unsere Gruppe dann ganz entspannt im Convent. Ich folge gerne einer Einladung von Chetan, mir noch ein wenig die Stadt zu zeigen und auch bei ihm zu übernachten. Sehenswert sind in der Innenstadt besonders der Golfplatz mit angeschlossenem Park und das Golfhotel. Hier verweilen wir dann etwas und genießen das ein oder andere Tusker, dabei plaudern wir über die Lebensbedingungen in Kenia und die Sorgen eines kenianischen Geschäftsmannes. Korruption und zahlungsunwillige Kunden sind da noch die kleineren Übel. Wieder zu Hause bei Chetan angekommen bereitet uns seine Frau noch einen kleinen Abend-Imbiss, Gemüsetoast mit Cream, und so endet dann ein ereignisreicher Tag mit vielen neuen Eindrücken und netten Begegnungen.

 13.11.2017

Nach einem überaus leckeren und üppigen indischen Frühstück mit Chetan und seiner Familie treffe ich mich wieder mit dem Rest der Gruppe. Heute ist ein wichtiger Tag, denn es beginnen endlich die Bauarbeiten für das neue Dusch- und Toilettenhaus. Während immer mal wieder verschiedene Baumaterialien angeliefert werden, beginnen John und seine Männer mit den Vorarbeiten für die Bodenplatte. Aus statischen Gründen muss über der Grube ein entsprechendes Eisengeflecht eingearbeitet werden. Parallel dazu wird weiter am Abwasser- und Frischwassersystem des Hauptgebäudes gearbeitet. Auch an der Solaranlage ist eine Reparatur erforderlich. Wir sind alle gut beschäftigt. Barbara versorgt die Kinder weiter nach und nach mit „neuer“ Kleidung, Erika und Marga üben mit ihnen ein kleines Theaterstück ein, Sybilla und Bernadine sind in organisatorischen Dingen unterwegs.

Nachmittags helfen Brian und Hottence kräftig mit, die Zwischendecke in der neuen Küche zu demontieren. Eine Maßnahme, die den unzureichenden Rauchabzug verbessern soll.

Außerdem unternehmen die Frauen noch eine Besorgungsfahrt in die Stadt, bei der sie, sehr zu deren Freude, auch einige Kinder begleiten dürfen.

Abends sind wir bei Caroline, die uns immer mal wieder mit Fahrdiensten unterstützt, zum Essen eingeladen. Einigen von uns bietet sich dabei sogar die Gelegenheit, mal mit einem übergroßen Kochlöffel ein wenig bei der Ugali-Zubereitung mitzuhelfen.

 14.11.2017

Unser Team teilt sich am heutigen Vormittag etwas auf. Bernadine und Sybilla starten schon sehr früh Richtung Town Center, um verschiedene Einkäufe und Organisatorisches zu erledigen. Marga und Erika haben heute zunächst „frei“ und unternehmen einen kleinen Ausflug in den nahegelegenen Kakamega Forest. Franz, Lothar und ich sind wie in den Tagen zuvor mit der Verlegung von Leitungen und Rohren beschäftigt und unterstützen John und seine Männer bei den gut voranschreitenden Bauarbeiten. Am Nachmittag statten Bernadine und Barbara der von unserem Verein unterstützten Frauengruppe etwas außerhalb von Kakamega einen Besuch ab. Hier leben ca. 15 Frauen zum Teil mit Kindern, deren Schicksale sich sehr ähneln, in einer gut harmonierenden Gemeinschaft zusammen. Mit ein wenig Unterstützung sorgen sie durch verschiedene handwerkliche Tätigkeiten und eine kleine Tierhaltung weitestgehend selbstständig für ihren Lebensunterhalt und meistern ihr nicht einfaches Leben am Rande der Gesellschaft.

Den heutigen Abend lassen wir gemütlich in unserem Convent ausklingen.

15.11.2017

Heute ist für viele Kinder ein mit Spannung erwarteter Tag, denn alle bekommen nun endlich ihre zusätzlich mitgebrachten Patengeschenke überreicht. Nach dem obligatorischen Erinnerungsfoto laufen die meisten Kinder gleich ganz eilig in ihr Zimmer oder zu einem ruhigen Plätzchen auf dem Gelände des Waisenhauses, um die Geschenke auszupacken und genau zu inspizieren.

Währenddessen gehen sämtliche Bauarbeiten zügig weiter. Lothar und Franz kommen gut mit der Zuleitung und den Verteilerleitungen für das Frischwasser der einzelnen Gebäude voran. Man muss den beiden an dieser Stelle einfach mal ein großes Kompliment aussprechen, wie sie immer wieder aus teilweise qualitativ nicht hochwertigem Material und mit einfachen Werkzeugen einwandfrei funktionierende Leitungssysteme „zaubern“.

Ich halte im Lauf des Vormittags „meine erste Unterrichtsstunde“ im Bildungshaus über die Grundlagen der Elektrotechnik. Ergänzend zur Theorie arbeiten die Schüler mit vom TÜV Darmstadt gespendeten kleinen Bausätzen. So lernen sie mit verschiedenen Bauteilen eigene einfache Stromkreise aufzubauen. Die Kinder sind von der blau leuchtenden LED auf ihrem Board sehr begeistert.

Erika legt heute mal eine Pause ein und ist im Convent bei den Schwestern geblieben. Ihr unermüdlicher Einsatz während des Tagesprogramms für die Kinder hat sie doch einiges an Kraft gekostet.

Marga, Barbara, Sybilla und Bernadine kümmern sich den ganzen Tag über um die Kinder. Am Abend sind wir dann bei Rose zum Essen eingeladen. Sie war schon zu Besuch in Deutschland und ist die Mama von Sarah, einer Freundin Bernadines, die seit langem mit ihrer Familie in der Nähe von Würzburg lebt und uns in Deutschland immer mal wieder bei verschiedenen Veranstaltungen unterstützt.

 16.11.2017

Der örtliche Viehmarkt etwas außerhalb von Kakamega ist unser erstes Ziel am heutigen Tag. Samson, unser Experte für den Kauf von Tieren vor Ort, begleitet uns dabei. Der Markt ist ein einziges Gewusel aus Mensch und Tier und schon ein ganz spezielles Erlebnis für uns alle. Auf einem großen Areal stehend hunderte von Rindern und natürlich deren Besitzer dicht gedrängt beieinander. Man muss schon aufpassen, denn ständig kreuzen irgendwelche Kühe oder Kälber unseren Weg. Bernadine und Samson übernehmen die Kaufverhandlungen mit den Viehhändlern und werden auch recht bald mit einem von ihnen handelseinig, sodass sie den Zuschlag für unsere neue Kuh „Ingo“ erhalten. Am späten Nachmittag erreicht „Ingo“ dann per Pick-Up-Transport sein neues Zuhause und fühlt sich gleich sichtlich wohl. Der Tag am Waisenhaus ist, wie sollte es anders sein, sehr arbeitsreich, es geht gut voran an allen kleinen und großen Baustellen. Am Bildungshaus findet die tägliche E-Technik-Lesson statt und das Spiel- und Freizeitprogramm der Kinder ist spannend und abwechslungsreich.

Eine kleine Begebenheit bei einem kurzen Abstecher in die Stadt zum Schuh- und Rucksackkauf möchte ich gern an dieser Stelle noch erwähnen. Die drei „großen Jungs“ Hottence, sein Bruder Orestus und Brian begleiten uns zwecks Anprobe. Nachdem alle Einkäufe erledigt sind, gehe ich noch schnell zum „indischen Baumarkt“ und Sybilla wartet mit den Buben vor dem Schuhgeschäft. Da wir über die Mittagszeit unterwegs sind, haben die drei natürlich irgendwann auch Hunger und fragen, ob sie sich nicht einen Apfel kaufen dürfen. Gesagt, getan, Hottence erkundigt sich an einem kleinen mobilen Obststand direkt neben dem Schuhladen nach dem Preis, Sybilla gibt ihm etwas Geld und schon ist für einen kleinen Imbiss gesorgt. Bevor Hottence aber die erstandenen Äpfel an die anderen Jungs weiterreicht, bemerkt er neben sich einen Straßenjungen, der sicher auch längere Zeit nichts gegessen hat. Ohne Zögern geht er zurück und kauft vom Wechselgeld einen weiteren Apfel für diesen Jungen. Dieser dankt es ihm mit einem kurzen Lächeln und geht weiter seiner Wege. Soviel zu dieser kleinen bemerkenswerten Geschichte um eine, wie ich finde, feine menschliche Geste von Hottence.

Ein Highlight ist das heutige Abendprogramm. Wir sind wieder bei Bishop Philip Sulumeti zu Gast, der im August seinen 80-sten Geburtstag feiern konnte. Der Bishop erzählt sehr unterhaltsam von seinen vielen Erlebnissen in Deutschland. Er hat einige Zeit in Seckmauern, gar nicht weit weg von Aschaffenburg, verbracht. Aus seinem Buch liest er uns einige Zeilen vor, in denen er sich Gedanken um die gesellschaftliche und politische Situation in Kenia macht. Im Verlauf des Abends singen wir dann noch das ein oder andere deutsche Lied gemeinsam mit dem Bishop und natürlich darf auch das obligatorische Geburtstagsständchen nicht fehlen. Bei einigen Gläsern Tusker und auch Rotwein verbringen wir eine sehr unterhaltsame und gesellige Zeit miteinander.

 17.11.2017

Der heutige Tag ist schon ein klein wenig von Abschiedsstimmung geprägt, zumindest was Lothar, Franz, Barbara, Marga, Erika und mich angeht. Einige der Kinder verfassen kurze, aber auch sehr persönliche Briefchen, in denen sie sich für die gemeinsam verbrachte Zeit mit uns und die geleistete Arbeit bedanken. Diese stecken sie uns immer mal wieder während des Tages zu.

Lothar und Franz haben die Arbeiten zur Erneuerung der Wasserver- und entsorgung größtenteils abgeschlossen, den Anschluss des Neubaus können dann John und sein Team noch problemlos zu Ende bringen. Sämtliche Mauern des neuen Gebäudes stehen, so dass in Kürze mit dem Dachstuhl und dem Anbringen der Dachbleche begonnen werden kann. Alle neu angeschafften Matratzen und Moskitonetze sind von Sybilla und Diana verteilt bzw. mit Hilfe von Frankline befestigt worden. Auch die verbleibenden Kleiderspenden finden schließlich noch Abnehmer und Barbara ist froh, endlich den letzten Koffer leergeräumt zu haben. Im Bildungshaus findet für die „angehenden Elektriker“ des Waisenhauses noch eine wichtige Unterrichtseinheit mit dem Thema „Sicherheit im Umgang mit Elektrizität“ statt. Dabei werden noch einige Poster an der Wand des Unterrichtsraumes befestigt zu all den Themen, die wir in der zurückliegenden Woche behandelt haben, „Nachschlagewerke“ sozusagen.

Marga und Erika machen am heutigen Tag einen Abstecher an den Viktoriasee und schildern uns später ihre vielen spannenden Erlebnisse am See, berichten aber auch von ihrer abenteuerlichen Rückfahrt direkt durch das an diesem Tag von politischen Unruhen geprägte Kisumu. Ihre Schilderungen über brennende Reifen und aufgewühlte Menschenmassen an Straßensperren kennen wir sonst nur aus der Tagesschau.

Den Abend verbringen wir heute zusammen mit den Sisters der St. Josephs Girls School, die uns mit einem leckeren Essen verwöhnen und uns in interessanten Gesprächen ihre Einschätzung der momentanen politischen und gesellschaftlichen Situation in Kenia erläutern. Auch die verschiedenen Projekte von Quiet Way liefern sehr unterhaltsamen Gesprächsstoff für einen kurzweiligen Abend. Sybilla war übrigens nicht mit dabei, sie war mit „ihren drei Großen Jungs“ Erick, Goddy, Frankline und dessen Frau Vivian in Kakamega gemütlich zum Essen aus.

 18.11.2017

Heute ist für Barbara, Marga, Erika, Franz, Lothar und mich der vorerst letzte Tag im Waisenhaus. Es müssen noch verschiedene Kleinigkeiten erledigt bzw. organisiert werden. Eine Dusche im Haupthaus wird abschließend funktionstüchtig gemacht und die erstellten Pläne der neuen Wasserversorgung werden erläutert. Hier sind nun Diana und Brian nach einer ausführlichen Einweisung für deren Bedienung zuständig. Selbstverständlich gilt es auch zum Schluss ein wenig aufzuräumen und die Werkzeuge ordentlich aufzubewahren. Der von uns oft als Werkstatt benutzte Vorraum im Haupthaus, in dem Barbara zusammen mit den älteren Mädchen einen Weihnachtsbaum aufgestellt und festlich geschmückt hat, erlangt nun endlich wieder seine ursprüngliche Bestimmung als Aufenthalts- und Unterrichtsraum. Zum Mittagessen bereiten uns die Kinder und Frauen nochmals ein tolles Essen mit Tschapati und Teigwaren als Beilage. Am frühen Nachmittag müssen wir dann leider auch schon Abschied von den Kindern und all den anderen nehmen. Wir bekommen auch dieses Jahr wieder unser ganz spezielles Abschiedslied gesungen, in dem jeder von uns nochmals persönlich Erwähnung findet. Hierbei lässt sich die eine oder andere Träne einfach nicht vermeiden. Wer mag, darf noch ein paar eigene Worte an die Kinder richten, die sich anschließend mit herzlichen Umarmungen für die gemeinsam verbrachte Zeit und die geleistete Arbeit bedanken. Als wir schließlich vom Hof des Waisenhauses fahren und nochmals kurz zurückschauen, sehen wir unzählige winkende kleine und große Kinderhände. Was wir mit auf unsere Rückreise nehmen, ist die Erinnerung an viele schöne Momente, in denen uns die Kinder immer wieder mit ihrer Warmherzigkeit und Lebensfreude angesteckt haben.

Die Arbeiten am Waisenhaus gehen natürlich auch ohne uns weiter und wir freuen uns schon auf die Bilder, die uns dann zeigen werden, wie das Dach unseres Neubaus entsteht, Verputzer- und Installationsarbeiten erledigt werden und wie der Ofen in der neuen Küche nach seiner Komplettsanierung aussieht.

Abends im Convent müssen wir dann unsere Koffer packen und eingekaufte Gegenstände, die für den Verkauf in Deutschland vorgesehen sind, gleichmäßig auf unser Gepäck verteilen. Das obligatorische Abschiedsfest mit unseren Gastgeberinnen den Sisters of Mary und einigen unserer fleißigen Helfer und Unterstützer darf natürlich auch nicht fehlen. So verbringen wir einen überaus stimmungsvollen Abend mit sehr guten, lieb gewonnenen Freunden, die uns ebenfalls nochmals ganz herzlich und mit kleinen Geschenken verabschieden, nicht ohne uns darauf hinzuweisen, doch bitte im nächsten Jahr wieder zu kommen.

 19.11.2017

Bevor wir heute endgültig Kakamega verlassen, verbringen wir, da der Flieger nach Nairobi erst am frühen Abend startet, noch einen entspannten und gemütlichen Vormittag.

Lothar und Franz haben sich schon früher per Matatu auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, denn sie möchten ihren Aufenthalt in Afrika verlängern und von dort aus nach Arusha in Tansania weiterreisen.

Wir machen einen kleinen Stadtrundgang und besuchen das Geschäft von Chetan, der uns alles zeigt und etwas von seiner Arbeit erzählt. Pünktlich um 12 Uhr sind wir wieder zurück im Convent und werden zwecks Stärkung für unsere anstrengende Rückreise mit Kulinarischem aus der kenianischen Küche verwöhnt, zubereitet von Bernadine und dem Küchenteam um Millicent. Gegen 14 Uhr begeben wir uns dann auf die erste Etappe unserer Heimfahrt, nicht ohne uns zuvor von der ältesten Schwester Schoscho gebührend zu verabschieden. Schwester Genevieve, Bernadine, Sybilla, Enock und Michael, ebenfalls ein Filmemacher und Freund von Enock, begleiten uns auf der Fahrt nach Kisumu um sicher zu gehen, dass wir wohlbehalten dort ankommen. Kisumu ist derzeit, wie berichtet, ein recht unruhiges Pflaster. Der Flughafen liegt etwas außerhalb der Stadt und wir müssen auf dem Weg dorthin eine Straßensperre umfahren. Schwester Genevieve und Enock sprechen kurz vom Auto aus mit den Männern, die versuchen, den stockenden Verkehr zu regeln und diese erklären unserem Fahrer dann den kürzesten und sichersten Weg zum Flughafen. Am Flughafen angekommen sehen wir dann von weitem schwarze Rauchschwaden über der Innenstadt, die wohl von brennenden Autoreifen an weiteren Straßensperren herrühren. Da bis zum Abflug etwas Zeit verbleibt, sitzen wir mit unseren Freunden noch kurz im Außenbereich des Airports beisammen und genießen ein kühles Getränk, bevor wir uns schließlich in die Abflughalle begeben und mit etwas Verspätung Richtung Nairobi abheben. Dort treten wir dann nach einer weiteren Wartezeit von etwa zwei Stunden den Rest unserer Heimreise nach Deutschland an. Schließlich erreichen wir am nächsten Morgen gegen 5:30 Uhr wieder heimatliche Gefilde.

 Sybilla und Bernadine schauen sich an den Tagen nach unserer Abreise noch verschiedene Grundstücke an, die in der Nähe des Waisenhauses bzw. Bildungshauses liegen und zum Verkauf stehen. All die Tiere, die mittlerweile zum Waisenhaus gehören und zum Teil derzeit noch bei dem Verein nahestehenden Freunden und Helfern untergebracht sind, sollen zukünftig gemeinsam auf einer eigenen Weide leben. Die beiden werden tatsächlich unweit des Bildungshauses fündig und kurz nach ihrer Rückkehr wird von Deutschland aus mit Unterstützung von einigen Freunden vor Ort in Kakamega der Kauf abgewickelt. Ein weiterer kleiner „Meilenstein“ für die Projektarbeit von Quiet Way ist dadurch gesetzt.

An dieser Stelle noch einen ganz herzlichen Dank an alle diesjährigen Kakamega-Reisenden. Wir haben Einiges bewirkt und verbessert sowie mit den Kindern viele unbeschwerte Momente verbracht. Unsere Arbeit war stets der Mühe wert!

 Armin

Mömbris-Königshofen, im November 2017

 

Reisebericht Kakamega im November 2016 (von Armin)*

(* dazu am Ende des Berichts zwei Filme zu unseren Aktivitäten!)

6.11.2016
Wir treffen uns mit jede Menge Gepäck in Form von Kleidungsstücken für die Kinder und vielen anderen nützlichen Dingen am Flughafen in Frankfurt. Die „Neulinge“ Thomas, Barbara, Tony, Marco und ich sind sehr gespannt, was uns die nächsten Tage so alles erwarten wird. Für Sybilla und Bernadine sind die Reisen nach Kakamega ja mittlerweile schon Routine. Die erste kleine Herausforderung ist PAUL, unsere transportable Wasseraufbereitungsanlage, gespendet vom Lions-Club Rüdesheim. Ihn gilt es sicher und möglichst zollfrei bis zu unserem Ziel, dem Waisenhaus in Kakamega, zu bringen. Nachdem sämtliches Gepäck aufgegeben wurde, starten wir pünktlich gegen 11:15 Uhr unseren Flug nach Nairobi. Über Österreich, Italien und die „Balkanroute“ immer am Mittelmeer entlang, erreichen wir über ägyptischem Staatsgebiet schließlich den afrikanischen Kontinent. Ab hier fliegen wir dann immer längs des Nils über den Sudan und erreichen schließlich Kenya und unseren Zielflughafen Nairobi. Bernadine, völlig erschöpft von den tage- und nächtelangen Vorbereitungen für unsere Reise, hat fast den ganzen Flug verschlafen.
Nachdem wir ohne Probleme unsere Visa erhalten haben, gilt es jetzt, unseren Begleiter PAUL und die anderen Sachen zollfrei nach Kenya einzuführen. Hier sind nun Bernadines Verhandlungsgeschick und die von Ihr erstellte englische Projektbeschreibung gefragt. Nach einer ausgiebigen Diskussionsrunde erweist sich die Dame vom Zoll aber doch als sehr entgegenkommend und verständnisvoll und lässt uns mit all dem vielen Gepäck und PAUL ohne jegliche weitere Kontrollen passieren. Bernadine fällt ein Stein vom Herzen! Vor dem Flughafen werden wir bereits von Ben und dem Leiter des Kolping Conference Centrum Langata mit einem Minibus erwartet. Da dieser eine Bus für alle Personen und das ganze Gepäck natürlich viel zu klein ist, wird schnell ein zweiter besorgt und wir treten unsere turbulente, nächtliche Fahrt durch Nairobi an. In der Unterkunft angekommen, sind wir alle doch ziemlich müde von der langen Anreise und gehen auch recht bald zu Bett.

07.11.2016
Nach einem ausgiebigen und sehr guten Frühstück begeben wir uns auf den Weg Richtung Innenstadt von Nairobi. Zuvor machen wir aber noch einem Abstecher in das Elefanten-Waisenhaus ganz in der Nähe. Wir dürfen miterleben, wie Elefantenbabies und Elefantenkinder mit riesigen Milchflaschen gefüttert werden. Die Tiere fühlen sich sichtlich wohl und bieten uns ein herrlich amüsantes und kurzweiliges Programm aus Raufereien und Schlammbädern. Begeistert von diesem wunderschönen Naturerlebnis geht es nun weiter in die pulsierende Hauptstadt Kenyas. In verschiedenen Geschäften besorgen Bernadine und Sybille viele kleine Mitbringsel, die später durch Quiet Way bei verschiedenen Anlässen zum Verkauf angeboten werden sollen. Auch wir anderen finden wunderschöne kleine Souvenirs für zu Hause. Wir schlendern noch durch die Stadt und genießen den Tag bei Kaffee, Kakao, Eis und Kuchen in einer kleinen Bar. Den Abend verbringen wir dann zusammen mit unseren Gastgebern und Freunden von Bernadine in einem außergewöhnlichen kenyanischen Restaurant. Wir genießen zwar das köstliche Essen, erleben aber auch zum ersten Mal den krassen Gegensatz von Überfluss und dem Nötigsten zum Leben, der dieses wunderschöne Land so entscheidend prägt. Wir haben viel Spaß und erleben einen unvergesslichen Abend.

08.11.2016
Wir stehen früh auf und treten gleich nach dem Frühstück unsere Überlandfahrt nach Kakamega an. Von Nairobi aus geht es zunächst Richtung Nakuru. Beim Durchfahren von kleineren Ortschaften sehen wir, dass das Leben in Kenya oft direkt an der Straße stattfindet. Irgendwie scheinen alle Menschen entweder zu Fuß oder mit diversen Fahrzeugen unterwegs zu sein. Am Straßenrand gibt es viele kleine Läden, in denen Obst, Gemüse und andere Dinge des täglichen Lebens angeboten werden. Wir kommen zwar nicht besonders schnell, aber stetig voran und erreichen bald das Rift Valley. Hier hat die Natur eine beeindruckende Landschaft in Form einer Tiefebene, eingefasst in Bergketten, geschaffen. Wir erleben faszinierende Eindrücke im weiteren Verlauf unserer Reise. Wegen einer Reifenpanne werden wir dann kurz ausgebremst. Nach ca. einer Stunde ist aber der schlechte Reifen gegen einen rein optisch eigentlich noch schlechteren Reifen ausgetauscht und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Die Straßen sind mal ganz gut, aber auch oft schotterpistenähnlich und gefühlt tausende von Speedbrakern schütteln uns ordentlich durch. Wir durchfahren Teeanbaugebiete und viele hügelige Landschaften. Nach ca. 11 Stunden Fahrt erreichen wir dann, etwas hinter unserem Zeitplan, unser Ziel Kakamega. Die Stadt präsentiert sich uns als sehr pulsierend und als Dauerbaustelle in rotem Staub. An unserer Unterkunft im Schwesternkonvent angekommen, sind wir doch ziemlich geschlaucht von der langen Fahrt. Wir beziehen sehr schönen Zimmer und genießen noch ein leckeres Essen. Danach ist nur noch Schlafen angesagt!

09.11.2016
Gleich nach dem Frühstück fahren wir über die, laut Sybilla und Bernadine, leider seit langem so beschaffene Schlaglochpiste zum Waisenhaus. Dort werden wir bereits sehnsüchtig und mit einer unbeschreiblichen Herzlichkeit empfangen, die sich kaum in Worte fassen lässt. Jeder von uns bekommt eine Rose und die Kinder singen ein wunderschönes Begrüßungslied für uns. Bei einem ersten Rundgang schauen wir uns gespannt um und sammeln erste Eindrücke vom Leben im Waisenhaus. Zunächst betrachten wir den so wichtigen und derzeit funktionsuntüchtigen Brunnen. Wir vermuten eine undichte Ansaugmechanik und, nachdem das System zerlegt und wieder richtig fest und dicht zusammengebaut ist, kommt auch gleich wieder das so wichtige Wasser. Nach diesem ersten kleinen Erfolg begutachten wir noch die Solaranlage auf dem Dach und im Gebäudeinneren. Hier sind allerdings mehr Aufwand und ein passender Wechselrichter erforderlich, um die Anlage wieder funktionstüchtig zu machen, sodass wir die Aufgabe zunächst etwas nach hinten verschieben. Anschließend packen wir dann PAUL, die neue Wasseraufbereitungsanlage, aus. Auch seine Inbetriebnahme müssen wir auf später verschieben, weil noch ein entsprechendes Holzgestell für die sichere Bedienung erforderlich ist. Die paar Schritte zum neuen Bildungshaus gehen wir zu Fuß und wir werden von den Anwohnern dabei interessiert beobachtet und durch das Winken von vielen Kindern herzlich begrüßt. Auch hier schauen wir uns zunächst die erforderlichen Arbeiten an, planen den folgenden Tag und überlegen, was an Material alles besorgt werden muss. Die von Bernadine zuvor geschickten Pakete sind alle angekommen und werden auch zum Teil schon ausgepackt. Alles ist heil angekommen, auch die PCs und sonstigen technischen Dinge. Danach sind wir dann noch bei Freunden von Bernadine zu Besuch und werden ebenso wie später wieder im Schwesternkonvent mit leckerem Essen verwöhnt.

10.11.2016
Wir fahren in die Innenstadt von Kakamega und kaufen Material für die Installation des Bildungshauses. Irgendwie scheinen alle größeren Geschäfte von indischen Geschäftsleuten geführt zu werden. Nachdem wir alles beisammen haben, geht’s gleich zurück zur „Baustelle“ und wir beginnen sofort mit der Elektroinstallation. Tatkräftig unterstützt werden wir dabei von Erick, dem Elektriker vor Ort, und vielen weiteren fleißigen Helfern. Bernadine, Sybilla und Barbara haben ebenfalls vielerlei Aufgaben zu erledigen. Einige Nachbarn des Bildungshauses beobachten gespannt unser Wirken. Abends werden wir wie gewohnt mit landestypischen Speisen verwöhnt.

11.11.2016
Der Arbeitstag beginnt zunächst mit dem Bau einer Feuerstelle, um den anfallenden Restmüll, der doch recht verstreut umherliegt, gezielt sammeln und entsorgen zu können. Wir bauen auch eine kleine Treppe am Zugang ins Mädchenhaus, um den schmalen Pfad etwas komfortabler zu gestalten. Danach geht’s weiter mit den Installationsarbeiten am Bildungshaus. Später kommen die drei gespendeten Kühe und die sechs Ziegen, die Samson auf dem Markt in Kakamega erwerben konnte, am Waisenhaus an und werden mit bunten, von den Kindern gemalten Namensschildern getauft. Abends lädt uns Mr. Chita, ein sehr netter, freundlicher und hilfsbereiter Inder, der Bernadine immer zuverlässig mit allem Nötigen versorgt, auf einen „Absacker“ ein.

12.11.2016
Im Lauf des Tages schließen wir, bis auf einige Kleinigkeiten, die Elektroinstallation im Bildungshaus ab. Nun können die bereits gefertigten Tische und Stühle in die entsprechenden Räume gestellt werden. Nach einiger Zeit laufen bereits die aus Deutschland mitgebrachten PCs und auch die ein oder andere Nähmaschine macht schon ratternde Geräusche. Wir machen etwas früher als sonst Feierabend und genießen noch ein wohlverdientes Tusker, bevor wir zurück zur Unterkunft fahren und ein sehr schöner und erfolgreicher Tag zu Ende geht.

13.11.2016
Es ist Sonntag und wir lassen die Arbeit ruhen. Morgens gehen wir zur Hl. Messe in die St. Joseph Cathedrale. Wir dürfen an einer fröhlichen, mit viel Gesang umrahmten Feier teilnehmen und haben am Ende sogar die Möglichkeit, uns vorne am Alter einzeln kurz vorzustellen. Danach, organisiert durch Mr. Chita, haben wir die einmalige Gelegenheit, uns das Innere eines indischen Tempels anzusehen. Der Hausherr des Tempels erklärt uns viele interessante Dinge rund um das Gebäude und die darin beheimatete Gemeinde. Über die Mittagszeit besuchen wir ein Ferien-Resort, das leider dem Zerfall preisgegeben ist, da es schlicht und ergreifend am falschen Ort gebaut wurde und dadurch keine Besucher und Gäste anzieht. Lediglich das Schwimmbad lockt viele junge Leute an. Im Anschluss setzen wir unser Tagesprogramm mit einem Besuch beim sich bereits in Rente befindlichen Bishop Sulumeti fort. Der Bishop empfängt uns herzlich auf seinem Altersruhesitz und zu den gereichten Getränken dürfen wir sogar deutsche Stimmungslieder wie „Ein Prosit“ und „Dem Spender sei….“ zum Besten geben, was den Bishop sichtlich begeistert. Der weitere Tagesverlauf ist durch den Besuch einer Außenstelle und dem Hauptsitz des Konvents, in dem wir untergebracht sind, geprägt. Wir werden wie gewohnt überall herzlich empfangen und Bernadine trifft viel alte Bekannte.

14.11.2016
Zunächst besuchen wir den amtierenden Bishop der Diözese, zu der Kakamega gehört. Er freut sich über unsere Anwesenheit, bedankt sich für unser Engagement und bietet uns, falls Bedarf besteht, seine Hilfe an. Arbeitstechnisch beginnt der Tag mit kleineren Ergänzungsarbeiten an der Elektroinstallation im Bildungshaus, um den Sicherheitsstandard zu erhöhen, ich sage nur: Schutzleiter! Später schauen wir uns nach einer Mehrzweckmaschine für die Schreinerwerkstatt um. Der Ladenbesitzer erweist sich als schwieriger Verhandlungspartner und außerdem gibt es Probleme bei der Inbetriebnahme der Maschine, sodass wir zunächst vom Kauf absehen, wohl wissend, dass die Maschine eigentlich ideal in die Schreinerwerkstatt passen würde und besagter Händler der einzige in näherer Umgebung ist.

15.11.2016
Morgens schauen wir in einem speziellen Laden nach Ersatzteilen für die Solaranlage im Waisenhaus. Es gibt aber nur gebrauchte Komponenten, die wir nicht kaufen möchten. Im Bildungshaus machen wir uns nun daran, die mitgebrachten technischen Geräte mit kenianischen Anschlüssen auszustatten. Bernadine, Sybille und Barbara sind, wie immer eigentlich, mit umfangreichen organisatorischen Aufgaben und vielem mehr beschäftigt. Zwischendurch gilt es noch, Goddys Auto wieder gangbar zu machen, denn die zur Verfügung gestellten Fahrzeuge sind überaus wichtig für unsere vielen Jobs. Nachmittags arbeiten wir dann wieder am Waisenhaus an der dortigen Installation. Eigentlich sollte diese mal komplett erneuert werden, was aber vom Aufwand her ein eigenes umfangreiches Projekt darstellt. Den späten Abend verbringen wir dann wieder im Haus von Bishop Sulumeti. Es gibt köstliches Essen und wir haben bei Tusker, südafrikanischem Rotwein und lebhaften Diskussionen über allerlei Themen einen entspannten Abend.

16.11.2016
Fast der komplette Vormittag vergeht durch das Warten auf den neuen Wechselrichter für die Solaranlage. Zwischendurch schauen wir nochmal beim Händler der Schreinereimaschine vorbei, um uns die Fehlerursache für die fehlgeschlagene Erstinbetriebnahme zeigen zu lassen. Da das Problem eindeutig zu lokalisieren ist, beschließen wir, die Maschine demnächst doch zu kaufen, beim Preis „muss halt noch was gehen“. Nachmittags wird dann die Solaranlage wieder funktionstüchtig gemacht, allerdings dürften die Batterien weiterhin ein Schwachpunkt bleiben. Am Bildungshaus findet derweil ein Tag der offenen Tür statt. Mit einigen Gästen und den Kindern wird ein fröhliches Einweihungsfest gefeiert, bei dem sich alle Besucher ein Bild von der Ausstattung und Funktionalität des neuen Bildungshauses machen können. Wieder zurück in unserer Unterkunft, bereitet uns Mr. Chita trotz anhaltendem Stromausfall ein köstliches Mal nach einem Rezept aus seiner Heimat Indien. Nach dem Essen sitzen wir noch gemütlich zusammen und Thomas spielt mit der Gitarre einige Lieder mit Gesang, was den Abend zu einem unvergesslichen Ereignis werden lässt!

17.11.2016
Unser vorerst letzter Tag in Kakamega bricht an. Wir besuchen vormittags die Stadtverwaltung wegen der seit langem defekten Wasserleitung zum Waisenhaus, erhalten aber nur sehr vage Unterstützungszusagen. Anschließend kaufen wir noch nach zähen Verhandlungen die Schreinermaschine für das Bildungshaus. Am Sitz der Welt-Hunger-Hilfe treffen wir zufällig auf Ruth, die Bernadine über ihre Organisation, die GIZ, zusätzliche Unterstützung zusagt. Was für eine glückliche Fügung, wir waren einfach mal zur rechten Zeit am rechten Ort! Am Waisenhaus wird schließlich noch PAUL in Betrieb genommen und in seinem neuen Gestell fest verbaut. Die Kinder helfen uns begeistert beim ersten Befüllen. Am Bildungshaus werden noch abschließende Arbeiten gemacht, die Schreinermaschine wird angeliefert und erstmalig von Franklin eingeschaltet. Der Abschied von den Kindern des Waisenhauses fällt schon ziemlich schwer und deshalb fließt auch die ein oder andere Träne. Die Kinder singen uns ein wunderschönes Lied und umarmen uns ein letztes Mal ganz herzlich.
Für den Abend laden wir dann alle unsere unmittelbaren Helfer zum Essen ein. Wir kochen wieder ohne Strom ein europäisches Gericht, Spaghetti mit Tomatensoße, und verbringen gemeinsam einen sehr stimmungsvollen Abend, untermalt mit Liedern, die Thomas auf der Gitarre spielt. Es wird getanzt und viel gelacht, alle haben trotz Abschiedsstimmung viel Freude an dem kleinen Fest. Wir erhalten alle noch ganz herzliche und liebe Briefe, die unsere gemeinsame Sache nochmals in einer warmherzigen Sprache beschreiben!

18.11.2016
Tony, Thomas, Barbara und ich treten nun die Heimreise an, Sybilla und Bernadine bleiben noch einige Zeit länger. Für die beiden gibt es bis zu ihrer eigenen Abreise noch eine Menge wichtiger Dinge zu erledigen.
Mit vielen unvergesslichen Momenten, unzähligen bleibenden Eindrücken und vielen neuen, wertvollen Freundschaften im Gepäck erreichen wir dann auch bald wohlbehalten unsere Heimat.
Wie erwähnt, sind ja Sybilla und Bernadine noch etwas länger als wir in Kakamega geblieben und was soll ich sagen, die beiden haben doch tatsächlich noch was wirklich Tolles erreicht. Nachdem Sie im Nakumat-Einkaufszentrum den County Commissioner Mr. Otieno getroffen haben, konnten Sie mit ihm einen Termin wegen der seit längerem defekten Wasserzuleitung vereinbaren. Die beiden schildern ihm die Situation mit dem fehlenden Wasser am Waisenhaus und Mr. Otieno macht gleich mal richtig Dampf im dafür zuständigen Wasseramt. Schließlich rückt ein mehrere Männer starker Arbeitstrupp aus und schon nach kurzer Zeit ist eine neue Zuleitung für das Waisenhaus gelegt. Die vielen Sorgen wegen der unzureichenden Wasserversorgung des Waisenhauses dürften nun im Zusammenspiel mit PAUL der Vergangenheit angehören. Es besteht sogar Hoffnung, dass sich am Zustand der Straßen zum Waisenhaus was verbessert, das hat der Commissioner zumindest angedeutet.
Nochmals Danke an die ganze Kakamega-Gruppe, alle Helfer vor Ort, aber ganz besonders an Bernadine und Sybilla für die hervorragende und stets sichere Organisation unserer Reise.

Armin
Mömbris-Königshofen, im November 2016

 * Die beiden Filme wurden von einem kenianischen Filmemacher hergestellt. Sie geben einen guten Eindruck von unseren Aktivitäten in Kakamega und zeigen vor allem die Fertigstellung & Eröffnung des neuen Bildungshauses!

Reiseberichte 2015

Billa und Bernadine haben dieses Jahr auf einer Hochzeit zwei kenianische Filmemacher getroffen, die eine kleine Dokumentation über das Waisenhaus und die anderen Initiativen erstellt und auf you tube eingestellt haben. Auch wenn ihr englischer Kommentar für unsere Ohren sehr gewöhnungsbedürftig ist, gibt der Film einen guten Eindruck, wie sich die Projekte des Vereins  im Jahr 2015 weiterentwickelt haben. Daher setzen wir hier den Link zu ihrem Film: https://www.youtube.com/watch?v=7FnsCRxJgRk

Ein paar weitere Informationen zur Entstehung des Films: Bernadine und ich waren auf der Hochzeit von Frankline und Vivian eingeladen. Eine Filmcrew drehte das Hochzeitsvideo und einer der jungen Männer sprach Bernadine an. Es stellte sich heraus, dass Michael früher auf der Straße gelebt hatte. Ein deutscher Arzt war zu dieser Zeit sehr oft in Kakamega und unterstützte dort eine Schule, die auch Straßenkinder aufnahm. Bernadine half damals schon in ihrer Freizeit in der Schule mit und daher kannten sich Michael und Bernadine. Michael war von Bernadine’s Aktivitäten in Kakamega so begeistert, dass er schon am nächsten Tag mit seinem Firmenpartner Enock ins Waisenhaus kam und die ersten Filmaufnahmen machte. Auch die Frauengruppen, Bernadine’s frühere Lehrerin Margret, John – unser Architekt, diverse von uns unterstütze Studentinnen und viele mehr, die durch den Verein unterstützt wurden, sind im Film zu sehen. Schaut Euch den Film an, er ist zwar in Englisch und Suaheli, die Bilder sprechen jedoch für sich.

Sybilla Wunderlich

und hier der angekündigte ausführliche Reisebericht 2015:

Wir waren sehr glücklich, alle Kinder im Waisenhaus gesund und munter anzutreffen. Ein großes Hallo und strahlende Gesichter empfingen uns. Die jüngeren Kinder hatten schon Ferien, damit die höheren Schulklassen bei den Prüfungen mehr Ruhe haben. Aber nach einigen Tagen war dann der Prüfungsstress vorbei und  so hatten wir dann viele fleißige Hände beim Sortieren der mitgebrachten  Bekleidung. Aber erst wurden die kleinen Regalfächer jedes Kindes neu sortiert und einige nicht mehr brauchbare T-Shirts etc. aussortiert. Bei den kleinen Kindern habe ich tatkräftig unterstützt, bei den großen Mädchen reichte eine kleine Bemerkung, dass in ein nicht aufgeräumtes Regal keine neuen Sachen rein passen. Mein Englisch ist bestimmt sehr holperig, aber die Bemerkung wurde sehr sehr gut verstanden.

Eine ganz tolle Neuerung: EIN NEUES KÜCHENHAUS!
Die Küche im Waisenhaus war viel zu klein und so war eine „Blechküche“ die letzten 2 Jahre, ohne richtig funktionierenden Abzug, gebaut worden. Zwar trocken, aber voller Rauch. ABER JETZT:  Die neue Küche, herrlich. Der Boden gefliest, prima zu putzen. 2 Feuerstellen.  Ein Edelstahltisch zum Vorbereiten der Speisen. Eine Kühltruhe und eine blitzsaubere Vorratskammer. Einfach wunderbar. Wir waren begeistert und die Köchinnen sind es auch.

Wir erstellten gleich am zweiten Tag eine Einkaufsliste zusammen mit den Frauen, die die Kinder versorgen. 20 Löffel, 2 neue große Töpfe zum Kochen, 3 große Kanister mit Öl zum Kochen, Mehl, Putzmittel und Schrubber, Waschpulver, Zahnpasta und Zahnbürsten, Seife und Creme für Alle, große Schüsseln um die Wäsche zu waschen und vieles mehr. Wäsche-leinen und Wäscheklammern habe ich gleich mit aufgeschrieben. Die Liste war ewig lang und Bernadine schickte mich los für die Besorgungen. Ein Auto und ein Helfer, aber ich wusste schon gleich: das Auto reicht nicht. Auf der Liste standen ja auch Reis, Toiletten-papier, Zucker, Salz, Tee in rauen Mengen. Aber auf zum Händler unseres Vertrauens.

Beim Großhändler wurden wir sehr herzlich empfangen und sofort bekamen wir ein kühles Getränk serviert. Nach ein wenig Smalltalk ging es los mit dem Einkauf. Alles wurde im Lager gesucht und an der Türe gestapelt . Dann wurde die Rechnung erstellt. Jeder Punkt noch einmal abgehakt auf der Liste. Inzwischen traf Bishop Julius mit dem zweiten Auto ein und wir fuhren zurück ins Waisenhaus. Unser Großhändler hatte auch mitbekommen, dass wir neue Matratzen benötigen und bot uns an, bei einem Kollegen nachzufragen wegen der Preise. Einen Tag später hatten wir die Information und nach unserer Zusage waren die Matratzen schon vor dem Laden gestapelt und wir mussten nur noch zahlen und keine langen Verhandlungen führen. Bei unserer knappen Zeit eine große Erleichterung. Bernadine war unterwegs und orderte jede Menge Mais und Bohnen für das Lager. Auch viele Köpfe Weißkohl wurden angeliefert und dann wurde das erste gemeinsame Essen mit den Kindern veranstaltet. Das ist für uns immer eine wunderbare Gelegenheit zu sehen, wie alle beim Abräumen der Tische und Abwaschen helfen. Die größeren Kinder unterstützen und achten auf die Kleinen und es kamen auch wieder Kinder aus der Nachbarschaft mit ihren Tellern vorbei. Es ist immer genug gekocht und so versorgen wir bestimmt täglich zusätzlich 10 – 15 Kinder. DANK IHRER HILFE. Herzlichen Dank!

Immer noch ein großes Thema ist die Wasserversorgung, da die Stadt Kakamega diesen Außenbezirk nicht gut versorgt. Da in diesem Bezirk jedoch sehr viele neuen Häuser entstehen, auch für Lehrer der Universität, hoffen wir, dass die angekündigte neue Wasserpumpe aus China bald eintrifft. Eine Wasserleitung direkt ins Waisenhaus haben wir 2013 gelegt und das Wasseramt hat damals den Anschluss geprüft und eine Wasseruhr gesetzt. 3 große Wassertanks helfen bei der Versorgung des Waisenhauses.

Wir hatten auch wieder zwei Besucher in Kakamega dabei. Herr Franz Bilz und Lothar Leinweber. Herr Bilz war schon 2013 mit in Kakamega und hatte im Mädchenhaus die Wasserleitungen für die Toiletten und Duschen verlegt. Ein Glücksfall für uns: die Wasser-pumpe streikte und Franz und Lothar bauten sie auseinander und reinigten sie, danach ging sie wieder kurz und versagte erneut. Also wieder ausgebaut und die Tiefe ausgelotet. Das war ein Kraftakt und bei über 35° ist das sehr sehr anstrengend. Aber sie haben es mit tatkräftiger Hilfe des Brunnenbauers geschafft, die Pumpe läuft wieder wunderbar. DANKE!

Wir legten auch den Grundstein für ein Bildungshaus. Dazu saßen Franz, Lothar und John stundenlang zusammen und planten das Haus. Erst wurde das Grundstück vermessen und festgelegt, wie das Haus stehen soll. Auch die Frage, wo kommen die Toiletten hin, war eine wichtige Frage. Da es in diesem Bereich von Kakamega noch keine Kanalisation gibt, muss immer eine Klärgrube gebaut werden mit mehreren Kammern und es ist sehr wichtig, dass man gut an diese Klärgrube kommt zum Abpumpen. Aber die drei Herren haben das wunderbar besprochen und dann eine detaillierte Zeichnung angefertigt. Und am nächsten Tag waren schon einige Männer mit dem Ausgraben für die Fundamente beschäftigt. Da gibt es dann auch keinen Samstag oder Sonntag, die Arbeiter waren kaum zu bremsen und wir haben nur so gestaunt wie schnell alles ging. Franz und Lothar konnten das Wachsen der Mauern nicht mehr sehen, sie gingen auf Safari. Aber jeden Tag kam ein Anruf von den Beiden und sie wollten genauestens über die Fortschritte informiert werden. Inzwischen ist das Haus natürlich fertig, gedeckt und mit Türen und Fenstern ausgestattet. Im Bildungshaus können die größeren Kinder dann, je nach Neigung, z.B. Nähen lernen oder die Grundbegriffe der Schreinerei kennen lernen.

In Nairobi haben wir auch viele Sachen für unseren Info- und Verkaufsstand gekauft.  Auf unserer Internetseite sind die Termine unter Aktionen und Veranstaltungen aufgeführt. Wir freuen uns immer über ein Treffen mit Euch. Das ist natürlich nur ein kleiner Bericht über unsere letzte Reise. Ich erzähle sehr gerne mehr bei der Hauptversammlung oder bei einem Treffen in und um Aschaffenburg.

Sybilla Wunderlich

Bericht über die Reise nach Kakamega im November 2014

Bernadine und ich sitzen im Flugzeug nach Nairobi, mein fünfter Besuch in Kenia, Zwischenlandung in Istanbul. Dort treffen wir unsere Mitreisenden Deborah Pergande und Dieter Bischke-Pergande aus Hamburg. Ankunft morgens 4:30 Uhr in Nairobi, es ist kühl. Wir tauschen am Flughafen unsere mitgebrachten Euros in kenianische Shilling um. Collin vom Kolping-Center in Nairobi ist mit einem Freund gekommen und bringt uns zu unserer Unterkunft. Endlich ein Bett, die Anreise war lang und ich konnte im Flugzeug nicht schlafen.

Um 9 Uhr sitzen wir beim Frühstück und planen unseren Tag. Erst mal in die Innenstadt zum Hilton-Center. Dort gibt es einen wunderbaren Shop mit Kunsthandwerk und Schmuck und wir stürzen uns ins Getümmel. Schnell haben wir Ohrringe, Halskettchen und Armbänder, aber auch Salatbestecke, Schlüsselanhänger und Schuhe gekauft. Und an der nächsten Straßenecke gibt es ein ähnliches Geschäft und auch dort werden wir fündig.

Am ersten Abend fahren wir ins Carnivore zum Essen und treffen dort meinen kenianischen Sohn Godfrey und unseren Freund Ben. Es ist ein vergnüglicher Abend und wir probieren sehr exotische Fleischsorten, nur Deborah und ich sind mutig und probieren die auch die angebotenen, sehr speziellen „Fleischbällchen“. Die Männer am Tisch winken ab, keiner möchte Stierhoden schmecken. Da die Nacht sehr sehr kurz war, freuen wir uns auf unsere Betten mit den geflickten und geklebten Moskitonetzen.

Am nächsten Morgen fahren wir nach Kakamega. Unser Fahrer ist mit einem großen Auto pünktlich zur Stelle und mit unserer Hilfe verstaut er die vielen Koffer. Wir haben wunderbares Reisewetter und wie immer gibt es auf der Fahrt viel zu sehen. Auf einem Hochplateau gönnen wir uns eine kurze Rast und Dieter und Deborah bestaunen den Blick in den afrikanischen Graben, wir können viele Kilometer ins Land sehen, die weit verstreuten Ansiedlungen wirken von unserem Aussichtspunkt wie Spielzeug. Es weht ein kühler Wind und wir haben unsere Jacken angezogen, einige Verkäufer von Kunsthandwerk preisen ihre Waren an, viele sind auch wunderbar gearbeitet, aber wir sind ja erst am Anfang unserer Reise. Also schnell ins Auto zurück und dann fahren wir durch die Kornkammer von Nairobi. Überall am Straßenrand sind Kartoffeln zu Pyramiden aufgebaut, wunderschöne gelbe Rüben werden feil geboten, Zwiebeln, viele Gemüsesorten und auch Pelzmützen.

In Nakuru sitzen wir zwei Stunden später in einem schönen Restaurant und bestellen erst mal ein kühles Getränk. Und Zeit für ein kleines Essen bleibt auch. Dann geht es schon weiter, wir werden schließlich erwartet. Wir sehen Affen am Straßenrand, Zebras und Gnus in unmittelbarer Nähe.

Aber dann passiert es: unser Fahrer wird gestoppt von der Polizei und da wir nicht sofort das geforderte Geld zahlen, müssen wir zur Polizeistation. Unser Fahrer möchte verhandeln, doch das möchte der Polizeichef nicht und bringt unseren Fahrer zum Gericht. Dort wird er in eine Zelle gebracht, es sind noch viele andere Menschen dort und wir müssen warten, bis das Gericht entscheidet. Bernadine wollte das geforderte Geld sofort zahlen, aber ich konnte nicht verstehen, dass mit der Polizei dort nicht zu spaßen ist. Da so viele Unfälle passieren, wird sehr oft kontrolliert und die Radarfallen sind gut versteckt. Wir erinnern uns, dass unser Fahrer auf einer Teilstrecke sehr schnell und die Kurven schneidend unterwegs war. Ja, da hätten wir ihn ermahnen sollen. Aber jetzt ist es zu spät, wir warten. Bernadine flitzt zwischen der Polizeistation und Gericht hin und her, der Fahrer muss 10.000 Shilling zahlen. Wir teilen uns die Summe, er 5.000 und wir 5.000 Shilling. Ich entschuldige mich bei Bernadine und gelobe, künftig den Geldbeutel schnell zu öffnen bei solch brenzligen Fällen.

Es wird schon dunkel und die Straße ist sehr schlecht, Straßenbeleuchtung gibt es leider nicht wie bei uns in Deutschland, auch nicht in den Ortschaften. Kurz vor 20 Uhr erreichen wir Kakamega und fahren gleich zu Bischof Julius. Wir werden sehr herzlich empfangen, Mama Paulina und einige ältere Mädchen vom Waisenhaus sind zum Abendessen gekommen. Mary hat wunderbar gekocht und wir lassen es uns schmecken, sind jedoch todmüde. Unsere beiden Mitreisenden werden bestaunt, beide haben sehr hellblonde Haare. Wir verabschieden uns relativ schnell und Julius bringt uns zu unseren Quartieren.

Unsere Freundin Posh holt Deborah und Dieter nach dem Frühstück im Bishop-Stam-Zentrum ab und bringt sie zu uns. Jetzt steht der erste Besuch für die beiden Hamburger im Waisenhaus an und ich bin gespannt. Wir werden von den Kindern mit Liedern und grünen Zweigen in den Händen begrüßt. Die älteren Kinder sind noch in der Schule, die erst im Laufe des Monats schließt. Auch die 4 Frauen, die für die Kinder sorgen und der Sicherheitsmann für die Nacht freuen sich uns zu sehen. Und ich staune sehr, ein offenes Gebäude mit Tischen und Bänken wurde gebaut, ein Schattendach. Wunderbar, dort können die Kinder zum Essen, Hausaufgaben machen und spielen sitzen. Dorthin geht es jetzt und wir stellen Deborah und Dieter vor. Und wir sehen den Garten, der bei unserem letzten Besuch angelegt wurde. Jasmy, das älteste Mädchen im Waisenhaus, erklärt mir, welche Gemüsesorten dort wachsen. Und sie freut sich, dass ich ohne zu stottern Sukumawiki sagen kann. Das ist ein kenianisches Gemüse, das sehr oft gekocht wird und pflegeleicht ist.

Später machen wir einen Rundgang durch alle Räumlichkeiten des Waisenhauses, alles ist geputzt und blitzeblank. Die Frauen strahlen als wir sie loben und auch die großen Mädchen freuen sich, sie haben natürlich bei der Hausarbeit geholfen.

Der Vorratsraum ist fast leer. Also fahren wir in die Stadt und kaufen ein: einen großen Sack Reis, Tee, Zucker, Salz, Tomaten, Zwiebeln und Fleisch. Wir bringen unsere Einkäufe ins Waisenhaus und sind sicher, dass die Frauen ein leckeres Abendessen kochen. An unser Abendessen haben wir natürlich auch gedacht und auch gleich für die nächsten Tage eingekauft. Vivian, eine Freundin, ist wie immer in unserem Haus und hilft uns beim Kochen. Und mein zweiter kenianischer Sohn Frankline kommt auch vorbei nach seiner Arbeit. Die Kinder aus der Nachbarschaft sind zur Begrüßung gekommen und Gilly und Austin essen mit uns.

In meinem Zimmer stehen 5 Kisten mit je 30 kg Bekleidung und meine 2 großen Koffer. Deborah und Dieter versprechen, mir am nächsten Tag beim Sortieren zu helfen. Dann kommt auch schon Posh vorbei und bringt Deborah und Dieter zurück in ihre Unterkunft.

Bernadine und ich schreiben den Einkaufzettel für das Waisenhaus, wir wollen am nächsten Tag in einem Großhandel einkaufen und unsere Gäste werden uns begleiten.

Die Fahrt in die Innenstadt von Kakamega finden die meisten Besucher aufregend, die Straße ist voller Löcher, sehr viele Motorräder und Fahrräder sind unterwegs und natürlich auch viele Autos, und sehr sehr viele Menschen sind zu Fuß unterwegs. Niemals möchte ich hier Auto fahren, außerdem wird in Kenia auf der „falschen Seite“ gefahren. Das traue ich mir nicht zu, da müsste ich erst mal in einer ganz ruhigen Gegend üben.

An beiden Seiten der Straße sind Verkaufsstände. Alles gibt es hier: Gemüse, Obst, Fische – frisch oder getrocknet vom Viktoriasee -, Bekleidung, Schuhe, Schlösser, Betten und Schränke, sogar Särge sind ausgestellt. Erdnüsse und Maiskolben werden geröstet und Fische gegrillt. Die Eindrücke sind so vielfältig und man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus.

Wir finden direkt vor dem Geschäft eine Parkplatz und die Händlerfamilie kennt uns noch vom letzten Jahr und weiß, dass wir nicht nur wegen einem Sack Reis kommen. Deborah wagt sich in den Laden, der natürlich nicht so aussieht, wie man sich das vorstellt. Die Gänge sind gerade so breit, dass ein Mensch durchlaufen kann. Aber ein Mitarbeiter hilft uns und schleppt die schweren Sachen in den Eingangsbereich. Auf der Einkaufsliste stehen Reis, Öl zum Kochen, Seife und Waschpulver, Bodylotion, Toilettenpapier in rauhen Mengen und und und. Bischof Julius hat noch einen Freund angerufen, der beim Transport in das Waisenhaus hilft. Wir fahren zu unserer nächsten Station, einem Supermarkt, den Nakumat. Dort kaufen wir die Dinge, die der Großhandel nicht hat und sitzen dann auf der Terrasse des Restaurants und lassen uns einen frisch gepressten Mangosaft munden.

Nachmittags sortieren wir zusammen 2 Kisten Kleider aus. Gilly und Austin aus der Nachbarschaft sahen uns nach Hause kommen uns wir versorgen sie erst mal mit Essen, danach suchen wir passende Hosen und T-Shirts. Gleich kommen noch mehr Kinder aus der Nachbarschaft, aber wir haben ja genug zum Verteilen und sind großzügig.

Nach und nach verteilen wir in den nächsten Tagen die Kleider im Waisenhaus, auch kleine Stofftiere haben wir dabei und eine kleine Kiste mit Matchboxautos. Jeder will ein Auto haben, sie reichen nicht für alle und Bernadine kauft am nächsten Tag in der Stadt noch eine Kiste dazu.

Die Stofftiere haben wir auf einen der Tische gelegt und die Kinder aufgefordert, sich eines auszusuchen. Niemand greift zu, mhhh. Deborah macht sofort ein Spiel daraus. Sie nimmt ein Tier in die Hand und hält es hoch: „ Wer mir sagt welches Tier das ist, bekommt es geschenkt“. Sofort meldet sich ein kleiner Junge und nimmt das Tier strahlend entgegen. Im Nu sind alle Stofftiere vergeben. Deborah verteilt auch die Kleider, sie hält ein T-Shirt hoch und schaut in die Runde und schätzt die Größen ab. Alle sind glücklich und zufrieden danach.

Wir lassen uns zeigen, wo die Kleider aufgehoben werden und nachdem ich einen Jungen gelobt habe, dass sein Fach so ordentlich ist und mir wünsche, dass die anderen Jungs das auch so machen, finde ich die Fächer am nächsten Tag sehr ordentlich vor.

Natürlich haben wir gedacht, dass die Mädchen ihre Kleider und T-Shirts schön zusammen legen und übereinander setzen in den Fächern, aber das war nur ein ein schöner Traum. Also alles raus, wir falten die T-Shirts und stapeln sie schön übereinander. Mancher „Schatz“ wurde gehütet, der nicht mehr zu reparieren ist und in Absprache mit dem jeweiligen Mädchen landet das eine oder andere Stück im Müll.

Mit Deborah und Dieter besuche ich den Regenwald von Kakamega. Wir nehmen uns einen Führer für 3 Stunden, der uns immer wieder auf Besonderheiten aufmerksam macht. Pflanzen, die wir übersehen und Tiere, die wir in den Baumwipfeln nie sehen würden. Er führt uns auf einen Berg von dem wir einen unglaublichen Blick haben und dann noch zu einem Fluss mit einem Wasserfall.

Deborah und Dieter möchten auch gerne den Massai-Mara-Nationalpark besuchen, doch eine Buchung in Kakamega ist nicht möglich. Da wir am nächsten Tag nach Kisumu zum Kolping-Center fahren möchten, werden wir dort unser Glück versuchen. Und finden ein kleines Reisebüro, indem Dieter nach einem sehr unterhaltsamen Gespräch einen Trip bucht. Sonntags soll es los gehen und wir treffen uns danach wieder in Nairobi.

Da Deborah vor unserer Reise ihr Studium beendete und Posh eine kleine Schule hat, wird sie von Posh engagiert und unterrichtet dort für einige Stunden Deutsch und Sport. Einige Bilder davon finden sich auf unserer Homepage.

Mit 12 Kindern des Waisenhauses fahren wir zum Einkaufszentrum, Schuhe einkaufen steht auf dem Programm. Schulschuhe sind der Traum der Kinder, nur mit diesen ist die Schuluniform vollständig und nur ganz arme Kinder gehen barfuß zur Schule. Als wir mit der Rasselbande auf das Schuhgeschäft zugehen, strahlen uns die Verkäuferinnen und Verkäufer schon von weitem an. Das wird ein guter Tag für das Geschäft. Zu den Schulschuhen kaufen wir noch Slipper oder Sandalen und für einige noch Kniestrümpfe. Mir ist schon klar, dass bei der Rückkehr ins Waisenhaus viele Kinder traurig sein werden. Nicht jeder bekommt neue Schuhe, aber wir hatten viele Sandalen aus Deutschland mitgebracht und schon verteilt. Und auch das Jahr davor wurden viele neue Schuhe gekauft.

An unserem letzten gemeinsamen Tag in Kakamega gibt es ein Barbecue im Waisenhaus. Die deutsche und kenianische Flagge werden gehisst und viele Luftballons aufgehängt. Die Frauen im Waisenhaus haben gekocht, reichlich Fleisch hatten wir besorgt, dazu jede Menge Gemüse, Kartoffel und Reis. Wir sitzen unter dem Schattendach, sind fröhlich und gleichzeitig auch ein bisschen wehmütig. Alle wissen, am nächsten Tag sind Deborah und Dieter nicht mehr da. Dann bemerken wir vor dem Tor Kinder, die uns beobachten. Bernadine geht zum Tor und holt die Kinder zu uns. Es sind Nachbarkinder, die Hunger haben. Schnell sind noch ein paar Teller gefüllt und wir rücken ein wenig zusammen und machen Platz für die Kinder.

Nach dem Essen betet Bischof Julius und dankt für Deborah’s und Dieter’s. Er übergibt Deborah ein kenianisches Trikot mit der Aufschrift „Pride of Kenya“, einen Kikoi für ihre Mutter und sagt ihr, dass sie jetzt in Kenia eine neue, zweite Familie gefunden hat, immer und jederzeit herzlich willkommen ist, auch alle Freunde und Familienangehörige. Und er meint das auch wirklich so, es ist keine Floskel. Deborah ist sehr gerührt und dann fließen die Tränen. Mir schießen die Tränen auch in die Augen und deshalb gibt es von diesen Szenen nur ein Foto und das ist auch noch verwackelt. Auch Dieter bekommt ein Geschenk und wird gedrückt und geküsst. Ein kleiner Junge fragt, warum Deborah jetzt weint, es ist doch nichts trauriges passiert. Da kommen uns schon wieder die Tränen.

Abends essen wir zusammen im Bishop-Stam-Zentrum und Chefköchin Winni freut sich sehr uns zu sehen. Da Deborah und Dieter am nächsten Morgen sehr früh aufstehen müssen, bleiben wir nicht lange. Wir sehen uns ja in ein paar Tagen wieder.

Bernadine und ich fahren noch ein paar Mal in die Stadt und kaufen für das Waisenhaus ein. Putzmittel, Waschpulver und Seife, Öl zum Kochen, Tee, Zucker, Salz und vieles mehr für einige Monate und bringen es in den Vorratsraum. Mais und Bohnen besorgen wir, einen ganzen Pick-Up voll. Auch Holz lassen wir anliefern, die Frauen kochen mit Holzfeuer. Mein Traum wäre ja ein Kochhaus, in dem die Frauen mit Gas kochen. In meinem Kopf hab ich es schon fast fertig geplant. Ich werde den Plan bis zu unserer nächsten Reise aufs Papier bringen und mit John in Kakamega besprechen. Den Platz hab ich schon ausgesucht. Die jetzige Küche im Waisenhaus ist zu klein und letztes Jahr wurde aus dem restlichen Blech eine Hütte gebaut, indem die Frauen bei schlechtem Wetter kochen.

Zu schnell geht wieder unser Besuch in Kakemega zu Ende und dieses Mal wollen wir von Kisumu aus nach Nairobi fliegen. Das geht schnell und kostet auch nicht mehr als ein Auto zu mieten. Man hat uns bei der Buchung des Fluges versichert, dass das Gepäck kein Problem ist. Mal seh’n. Ganz glaub ich es nicht.

An unserem letzten Abend in Kakamega gehen wir indisch essen, Bernadine schickt uns alleine vor, sie hat mal wieder ein dringendes Telefonat erreicht und sie nimmt sich ein Taxi. Als sie später ins Restaurant kommt, erzählt sie, dass sie im Krankenhaus war bei Esther. Esther ist eine junge Frau, die wir finanziell unterstützen, sie besucht eine Schneiderschule. Wir hatten uns schon gewundert, dass wir nichts von ihr gehört hatten und sie ging auch nicht an ihr Telefon. Jetzt wissen wir, sie ist schwer krank und eine Krankenschwester hatte das Telefon gehört, abgenommen und mit Bernadine gesprochen. Wir hoffen sehr, dass Esther sich schnell wieder erholt und wir sie nächstes Jahr in die Arme schließen können.

Bischof Julius hat uns zum Abschied Taschen geschenkt und uns gesegnet. Bernadines Mama betet mit uns und möchte uns gar nicht aus den Armen lassen. Sie hatte uns ein paar Tage zuvor mit ein paar Liedern unterhalten und abends saßen Bernadine und Mama Rita oft sehr lange zusammen und redeten.

Die Nachbarkinder stehen mit ernsten Minen im Garten, sie wissen, dass sie uns lange nicht mehr sehen werden. Roger, Agnes, Mourice und seine Jungs verabschieden sich. Vivian weint und umarmt uns, Lea ist traurig und bedankt sich bei uns für die Unterstützung. Dabei hat sie uns geholfen. Vivian und Lea kümmern sich immer um den Haushalt, kochen, räumen auf, Waschen unsere Wäsche, da wir ja oft den ganzen Tag unterwegs sind und versorgen unsere Besucher mit Tee und leckerem Essen. Frankline und Eric begleiten uns nach Kisumu, so haben wir noch Zeit, um miteinander zu reden. Dann heißt es Abschied nehmen von meinen Jungs, ich vermisse die beiden immer sehr, aber nächstes Jahr komme ich wieder. Ein kleiner Trost bleibt mir, in Nairobi treffen wir Godfrey wieder für ein paar Tage, er ist mein drittes Patenkind. Natürlich sind die drei jetzt große junge Männer und könnten mir auf den Kopf spucken. Wenn ich die drei sehe, dann kann ich nur sagen: es hat sich gelohnt, für die Jungs das Schulgeld und die Ausbildung zu zahlen.

Beim Aufgeben unserer Koffer haben wir Übergepäck, das bedeutet zahlen. Aber egal, es hält sich im Rahmen. Nach einer Zwischenlandung in Eldoret kommen wir sicher in Nairobi an und Collin bringt uns sicher und schnell zum Kolping-Center. Dieter erwartet uns und er erzählt uns noch von all den wunderbaren Dingen, die er in der Massai-Mara erlebt hat. So viele Tiere hat er nicht erwartet.

Am nächsten Tag besuchen wir den Massai-Markt und kaufen nach langem Feilschen, das gehört einfach dazu, noch Kunsthandwerk für die Märkte hier in Deutschland ein. Den Großteil der Sachen senden wir nach Deutschland, nur einen kleinen Teil nehmen wir im Koffer mit zurück. Aber auch privat schlagen wir ganz schön zu. Die Schals kann man einfach nicht ignorieren mit den prachtvollen Farben. Und Sandalen gibt es in rauhen Mengen, allen Farben und Formen. Als Geschenk und natürlich auch zum Verkauf sind sie sehr begehrt.

Freitags hat Deborah Geburtstag. Bernadine hat eine Torte bestellt und ist den ganzen Tag in der Stadt verschwunden. Wir langweilen uns im Kolping-Center, die Koffer sind gepackt. Dann ist Bernadine zurück und wir dekorieren den Raum, den wir für den Abend reserviert haben. Die kenianische und deutsche Flagge werden angebracht, ich blase unendlich viele Luftballons auf und wir dekorieren den Tisch mit wunderschönen bunten Tüchern und den Geschenken. Unser Freund Ben hat seine Stereoanlage mitgebracht. Alles geschieht im Geheimen, Deborah soll überrascht werden und wir bringen die Torte und Geschenke durch eine Hintertüre in den Raum. Dann ist es soweit: das Abendessen ist fertig und Deborah ist ganz überrascht, als wir den Raum betreten. Nach einem Geburtstagsständchen lassen wir uns das leckere Hühnchen schmecken und Deborah verteilt später auch Kuchen an das Personal und anderen Gäste des Kolping-Centers, die sich sehr über diese Überraschung freuen und ihr auch sehr herzlich gratulieren.

Am frühen Morgen fahren wir zum Flughafen, nur Deborah, Dieter und ich fliegen heute ab. Bernadine bleibt noch eine Woche in Nairobi. Ich fühle mich schrecklich, mich hat es erwischt, eine starke Erkältung. Meine Augen sind geschwollen und in meinem Hals kratzt es. Hoffentlich werde ich nicht ernsthaft krank. Bernadine und Godfrey verabschieden sich, es war eine sehr kurze Nacht und Godfrey muss am frühen Morgen auch wieder arbeiten. Im Flughafen kaufe ich mir Eukalyptusbonbons, die ich den ganzen Flug über lutsche, um den Hustenreiz zu lindern. In Istanbul habe ich nur einen kurzen Aufenthalt, mein Flug ist schon aufgerufen und in Frankfurt wartet mein Mann. Ich freu mich auf zuhause, aber…..

Sybilla

 Reisebericht Kakamega, November 2014, Teil II

Afrika, der Angst einflößende Kontinent. In der deutschen Berichterstattung dominieren Gewalt, Korruption, Krankheit und Armut… Unsere Verwandten und Freunde reagieren überwiegend mit Besorgnis, als die Abreise ansteht: Das traut ihr euch wirklich? Was wird uns also erwarten, meine Tochter Deborah und mich, wenn wir uns auf den Weg machen, um uns vor Ort in Kakamega anzuschauen, was wir bislang nur aus den Erzählungen von Bernadine und Sybilla kennen.

Der erste Eindruck: Nairobi, unwirtlich und hässlich. Doch schon das Kolping-Guest-House am Stadtrand überrascht angenehm: eine gepflegte Anlage mit freundlicher Betreuung und annehmbaren Zimmern. Von wegen unzumutbare Hygienestandards! Das Wasser aus der Leitung fließt, Toilettenspülung und Dusche funktionieren, wenn das Wasser bisweilen auch kalt bleibt. Und Strom ist so eine Sache, mal da, mal nicht, mal wieder da…
Und dann der Weg von Nairobi nach Kakamega im Nordwesten durch ein erstaunlich grünes Land. Wir fahren durch Tee- und Kaffeeplantagen, erreichen dabei eine Gipfelhöhe von erstaunlichen 2800 Metern. Der Blick hinunter in den afrikanischen Graben ist atemberaubend! Unangenehm nur der Aufenthalt im Hof einer  kenianischen Polizeiwache, da unser Fahrer zu schnell unterwegs war und vor dem Schnellrichter auf seine Strafe warten musste. Nach eineinhalb Stunden war aber auch das ausgestanden und die Fahrt konnte fortgesetzt werden.

Dann der herzliche Empfang im Haus von Bischof Julius, eine Hütte, abgelegen mitten im inzwischen nächtlich dunklen Wald, nur über eine staubige Piste zu erreichen. An die Straßen mit ihren krassen Unebenheiten, so dass die Autos immer wieder krachend aufsetzen, müssen wir uns in den folgenden Tagen erst noch gewöhnen! Der Empfang dort wie später im Waisenhaus ist von ungewohnter Herzlichkeit. Leute, die man zum allerersten Mal sieht, nehmen einen in den Arm, drücken und herzen einen, begeistert darüber, dass wir den langen Weg von Europa in den Norden Kenias auf uns genommen haben, trotz der schlechten Nachrichtenlage mit dominierenden Berichten über Überfälle der Al-Shabad-Milizen aus dem benachbarten Somalia und trotz Ebola. Ich versuche es in den Gesprächen später deutlich zu machen: In der deutschen Mentalität dominiere wohl der Verstand, in Kenia das Herz! Schnell schließen wir Freundschaft mit Julius, Posh, Evans, Vivian und all den anderen, die uns betreuen und bekochen, uns an ihrem Leben teilhaben lassen, bei unseren Ausflügen durch Stadt und Land  begleiten, jeden Morgen mit dem Auto in unserer Unterkunft abholen, einem Bildungszentrum der Diözese Kakamega etwa fünf Kilometer außerhalb, und zu Bernadines Haus oder den Kindern ins Waisenhaus bringen.

Der Empfang dort toppt alles. Schnell verlieren die Kinder ihre anfängliche Scheu, gleich mehrere hängen an uns, sobald wird das Gelände, eingebettet in die zum Fluss hin abfallende grüne tropische Landschaft, betreten haben. Die Verteilung der mitgebrachten Kuscheltiere und Klamotten wird zu einem Event, dass ich so schnell nicht vergessen werde. Deborah mit ihren 25 Jahren, den langen blonden Haaren und ihrer offenen, zugewandten Art wird schnell zum Star von Kakamega, da kann auch ich mit meiner Kamera und der begehrten Aussicht auf Schnappschüsse nicht mehr mithalten.
Doch dann dominieren die zu erledigenden Aufgaben, derentwegen wir gekommen sind: Sind die Moskitonetze noch heil? Müssen neue Matratzen besorgt werden? Wie sehen die Kleiderspinde aus? Reicht die Kücheneinrichtung aus, um den Hunger der 56 Kinder zu stopfen? Müssen Töpfe, Reinigungsmittel, Lebensmittel eingekauft werden? Und, und, und….

Ein ähnliches Bild in Bernadines Haus. Der Strom der Besucher lässt nicht nach, fast alle haben ein Anliegen, das mit Bernadines Hilfe geklärt werden soll. Selbstverständlich werden die Besucher/innen zum Essen eingeladen, was insbesondere für die immer hungrigen Nachbarskinder erfreulich ist. Verwirrend ist für mich, dass das Grundstück von einer Mauer umgeben ist und in einem Wachhäuschen neben dem Tor nachts zwei Wächter aufpassen, was allerdings in Kenia bei fast allen bebauten Grundstücken, Wohnanlagen, Hotels und sonstigen Unterkünften der Fall ist. Ist es wirklich so gefährlich, sobald es dunkel wird? Ist die Sorge um unsere Sicherheit, ohne Begleitung dürfen wir gar nicht erst los, nicht übertrieben? Redet das Land, dessen Nachrichten eine reine Kriminalberichterstattung sind, die Gewalt so nicht eher herbei? Wir haben uns jedenfalls keinen Augenblick in Gefahr gefühlt und können das über die Medien vermittelte Gefühl der allgemeinen Unsicherheit so nicht bestätigen!

Am Ende unseres Aufenthalts, als Deborah und ich etwas früher als Bernadine und Sybilla zum Besuch von Massai Mara, einem der größten Naturparks in Kenia aufbrechen, steigt eine bewegende Abschiedsparty. Poshs Schwester hat extra für meine Tochter und mich landestypische Kleider genäht, die wir selbstverständlich gleich überziehen. Die Kinder im Waisenhaus verabschieden uns singend und tanzend, so dass  wir uns unserer Tränen nicht schämen. Für Deborah und mich wird in dem Moment klar: Wir kommen wieder und versuchen in der Zwischenzeit mit unseren Möglichkeiten beizutragen, dass es den Kindern im Waisenhaus in Kakamega weiter gut geht!

Jörg-Dieter Bischke-Pergande, Hamburg

 

Bericht über die Reise nach Kakamega – Kenia im November 2013

Januar 2014

Endlich ist ein bisschen Ruhe eingekehrt, Weihnachten und Neujahr sind vorbei. Diese Zeit möchte ich nutzen, um über die Reise nach Kakamega zu informieren.

Dieses Jahr hatten wir zwei Begleiter, Herrn Franz Bils aus Bessenbach und Herrn Oliver Prelle aus Grevenbroich. Beiden sagen wir ganz herzlich „DANKESCHÖN“.

Beim Anflug auf Nairobi sahen wir ein Lichtermeer, Nairobi schläft nie, aber der Verkehr ist um diese Zeit fast eingeschlafen. Wir wurden von einem kleinen Bus abgeholt und zu unserer Unterkunft gebracht – Kolping-Center. Ich hatte einen privaten Fahrer – meinen ältesten kenianischen Sohn Godfrey. Bernadine hatte wie immer alles prima organisiert.

Mittwochs fuhren Bernadine, Herr Bils und ich nach Kakamega, wir wurden schon von Bischof Julius zum Abendessen erwartet. Auch Mama Paulina und viele Nachbarn von Bischof Julius haben uns begrüßt. Mama Paulina arbeitet seit 2010 im Waisenhaus und ist ein wichtiger Ansprechpartner.

Müde, satt und mit einem unglaublichen Glücksgefühl im Bauch fuhren wir in unsere Unterkunft, dort wartete Bernadines Familie und wir unterhielten uns bis spät in die Nacht.

In Kenia steht man früh auf. Kaum ist die Türe des Hauses geöffnet, kommen die ersten Besucher: Kinder aus der Nachbarschaft, Gilly und Austin. Die beiden sind jeden Tag zu Besuch und werden von uns verwöhnt, Frühstück und Abendessen und zwischendurch Obst, Saft, Wasser oder Tee und neue T-Shirts und Hosen.

Dann gleich ins Waisenhaus, wo wir schon erwartet werden. Die Kinder stehen am Eingang mit grünen Zweigen in den Händen und singen ein Willkommenslied für uns. Und alle strahlen um die Wette. Danach werden wir alle per Handschlag von den Kleinen begrüßt, die größeren Kinder sind noch in der Schule, die in den nächsten Tagen schließt.

Auf meinem Rundgang durch die Räume fühle ich an jeder Hand mindestens 3 kleine Kinderhände. Auch den Frauen, die im Waisenhaus arbeiten und für Kochen, Waschen und Putzen zuständig sind, gilt unsere Aufmerksamkeit. Rose ist nicht mehr da, sie hat geheiratet und ist mit ihrem Mann in eine andere Stadt gezogen. Milicent ist ebenfalls nicht mehr da, dafür lerne ich 3 neue Frauen kennen: Selestine, Fannis und Zaidah. Mit diesen 3 Ladies hab ich noch viel Spaß.

Wir besichtigen das neue Haus mit den 2 Schlafräumen, Duschen und Toiletten – leer. Das wird sich sehr bald ändern. Im Vorratsraum erwartet uns – nichts!!! Also auf zum Einkaufen. Alles wird gebraucht: Gemüse, Reis, Bohnen, Salz, Zucker, Tee, Eier, Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln und Obst. Wir fahren sofort in den „Mama-Watoto-Supermarket“ und schnappen uns einen Einkaufswagen und los geht’s. Auf dem Rückweg stoppen wir auf Wunsch von Franz beim Gemüsemarkt. Franz möchte Bananen kaufen für die Kinder. Der Bananenstand freut sich: 60 Bananen und das ohne viel zu handeln. Und am Nachbarstand gleich noch Tomaten, Zwiebeln, Kohl und Kartoffel. Dann noch schnell in den „Nakumat“. Dort kaufen wir größere Mengen an Lebensmitteln und 2 neue Putzeimer, Putzlumpen, Schrubber, Bürsten, Schwämme und ganz viel „Mister Muscle“. Und einen großen Sack Waschpulver.

Zurück ins Waisenhaus und alles ausladen. Mama Paulina hatte in der Zwischenzeit Fleisch gekauft und aus dem Küchenhaus kommen schon die Rauchschwaden.

Selestine und Zaidah sind überglücklich über die Wasch- und Putzsachen. Eine Woche später kaufe ich die gleiche Menge Putzmittel noch einmal für die beiden Damen. Die Wände im Waisenhaus sind mit abwaschbarer Farbe gestrichen und bei über 50 Kindern, die täglich zigmal rein und rausrennen und natürlich auch die Wände anfassen, kann man auf einer gewissen Höhe die Farbe nur noch schwer erahnen. Doch am nächsten Tag ist alles blitzeblank und wir loben die „Putzteufel“ sehr.

Der nächste Tag: Besuch beim katholischen Bischof Philip Sulemeti und Father Bede.

Bernadine kennt in Kakamega viele Menschen und so auch die Dame an der Anmeldung. Nach kurzer Zeit dürfen wir ins Büro zum Bischof. Wir sind gern gesehene Gäste aus Deutschland, Bischof Sulemeti kennt Deutschland aus seiner Studienzeit. Er hat Freunde in einem kleinen Dorf bei Aschaffenburg, kennt unsere Gegend und er spricht auch die deutsche Sprache. Aber wir unterhalten uns auf Englisch, nur manchmal lässt er ein deutsches Wort einfließen.

Wir haben ein Anliegen und er lässt gleich Father Bede dazu rufen. Bischof Sulemeti und Father Bede haben für uns immer ein offenes Ohr und sind sehr hilfsbereit.

Das Büro der katholischen Kirche ist mitten in Kakamega, neben der Kathedrale. Das hört sich jetzt nach einem Prachtbau an, aber die Kathedrale ist ein sehr offener Steinbau ohne Glasfenster und ohne Goldornamente. Der Wind kann also durch blasen, das ist bei 35 Grad und mehr bestimmt sehr angenehm. Ein Priester lädt uns zum Tee ein und danach besuchen wir den Buchladen und treffen dort Bekannte von Bernadine.

Auf dem Rückweg Großeinkauf für unsere Unterkunft. Wer auch immer von uns in der Stadt ist bringt Toastbrot, Wasser, Obst und Gemüse mit, und natürlich gibt es sehr oft Fisch vom Viktoriasee. Wir sind 4 in unserem Haus, aber abends sitzen immer mindestens 10 Personen am Tisch und ich bin froh, dass Jaqueline da ist. Bernadine und sie kochen, ich darf höchstens mal Zwiebel oder Tomaten klein schneiden. Und dann der Abwasch – bin ich froh über meine Spülmaschine zuhause.

Bernadine organisiert sehr viele Angelegenheiten mit den Schülern und Studenten, den ganzen Tag geht das Telefon und sie flitzt hier hin und dort hin. Die Schüler bringen ihre Zeugnisse und Informationen über das kommende Schuljahr. Die Schulgebühren müssen im Voraus gezahlt werden. Soviel Bargeld kann man nicht einstecken. Unsere Kassenwartin Mathilde schickt uns Geld, also wieder rein nach Kakamega.

Jetzt ist auch Godfrey aus Nairobi angereist, er leiht sich von einem Freund ein Auto und wir haben einen Fahrer. Godfrey fährt sehr gut und kennt sich in Kakamega bestens aus.

Und dann werden die neuen Betten für den Neubau im Waisenhaus angeliefert. 12 Etagenbetten wurden von Frankline gebaut mit Hilfe seiner früheren Kollegen. Und der Chef der Schreinerschule hatte die Räumlichkeiten und Maschinen zur Verfügung gestellt und den Transport organisiert. Wir mussten nur das Material bezahlen. Die Betten werden vor Ort noch eingeölt und in die Schlafräume gebracht.

2 Tage später kommen die neuen Matratzen, Bettlaken und Decken. Zähe Verhandlungen gingen da voraus. Wir hatten im Supermarkt schon mal die Preise angeschaut. Viel zu teuer, also auf den Markt. Dort hatten wir vor 2 Jahren schon mal Matratzen gekauft. Auf dem Weg dorthin bei diversen Geschäften schon mal gehandelt, aber alles zu teuer.

In „unserem“ Shop beginnen die Verhandlungen, dazwischen kommen andere Kunden, die bedient werden. Es ist über 30 Grad und nach 1 Stunde fange ich an zu drängeln. Endlich gibt es ein für uns gutes Ergebnis, Bernadines Verhandlungsgeschick ist einfach super. Jetzt geht es von vorne los – was kosten die Laken und was die Decken? Wir waren bestimmt 3 Stunden im Geschäft und die Chefin des Ladens muss sämtliche Kollegen anrufen, um die bestellten Matratzen liefern zu können. Aber es ist für sie bestimmt auch ein sehr guter Tag. Wann verkauft man denn schon mal 36 Matratzen und Decken und und und?

Der nächste Tag: ich fahre mit Franz, Jaqueline und Frankline zum Materialeinkauf für die Wasserleitung. Bernadine hat andere Verabredungen, sonst schaffen wir unser Pensum nicht.

Materialeinkauf für eine Wasserleitung, wer kennt da schon die englischen Begriffe? Ich jedenfalls nicht. Manchmal bin ich versucht meinen Mann anzurufen, er spricht perfekt Englisch, ist Handwerker, ist aber nicht dabei in Kenia. In Kakamega gibt es keinen Toom-Markt, BayWa oder Bauhaus. Dort geht man in ein Geschäft, steht vor einem Tresen und sagt was man möchte. Wenn man kann. Wir standen bald hinter dem Tresen, Franz und ich. Gott sei Dank kann Franz gut zeichnen. Mit Händen und Füßen, viel Lachen und den Zeichnungen von Franz waren wir nach ca. 3 Stunden mit unseren Bestellungen durch. Der Schraubstock wurde in Mombasa bestellt, da nur die große Ausführung vor Ort war und die war uns einfach zu teuer.

Am nächsten Vormittag ist der Schraubstock mit dem Bus angekommen. Franz kann es nicht fassen, so viele Kilometer und das mit dem Bus. Jetzt brauchen wir noch eine Verlängerungsschnur, also ab ins nächste Geschäft. Dort empfängt mich eine Elektrikerin. Das Kabel wird extra angefertigt und wieder muss ich erklären für was ich das brauche wegen der Stärke des Kabels. Schwierig. Trotzdem klappt es.

Eric reparierte inzwischen die Solaranlage des Waisenhauses und legt Stromleitungen in alle Zimmer. Er hat zwei fleißige Helfer dabei. Als wir zurück nach Nairobi fuhren, hatte jedes Zimmer, die Duschen und Toiletten Licht. Für uns hier alles selbstverständlich, aber nicht in Kenia.

Endlich eine Wasserleitung für das Waisenhaus: Frankline und John haben vor unserem Besuch beim Wasseramt angemeldet, dass wir eine Wasserleitung legen wollten. Ein paar junge Männer sind auch organisiert, die die Erde aufbuddeln. Es muss nicht tief sein, in Kakamega gibt es keinen Nachtfrost. Die Wasserleitung liegt in einem Tag und der Mann vom Wasseramt baut einen Zähler ein. Jetzt geht niemand mehr zum Fluss und holt Wasser. Das Wasser aus den Regentanks kann zum Wäsche waschen genommen werden. Niemand bekommt im Waisenhaus Typhus oder Cholera.

Franz zeigt John und zwei jungen Männern, wie die Bohrmaschine funktioniert und bohrt die ersten Löcher für die Wasserleitung. Und er erklärt in deutscher Sprache, wie man die Rohre verlegt. Und die Verständigung klappt irgendwie. Die Männer fragen auf Suaheli, Franz antwortet in Deutsch. Nach zwei Tagen heißt es: Wasser marsch. Wir sind begeistert und die Kinder ebenso.

Jetzt ist auch Oliver angekommen, er fuhr mit dem Motorrad von Nairobi nach Kakamega. Unterwegs übernachtete er in Nakuru bei Ruth und mit Hilfe von Henry, unserem Fahrer, fand er auch den Weg aus Nakuru wieder heraus Richtung Kisumu und dann nach Kakamega. Oliver spendete vor 3 Jahren eine Wasserpumpe, die möchte er sehr gerne in Aktion sehen. Vor Ort füllt er eine Flasche Wasser ab, die mit nach Deutschland zurück fliegt. Dann macht er sich für einige Tage auf und erkundet die nähere Umgebung. Oliver ist begeistert von der Landschaft und den Menschen.

Und dann ist der Tag da, an dem er sein Motorrad dem Waisenhaus bzw. unserem Verein übereignet. Vor den Waisenkindern steht das Motorrad und Oliver übergibt Bernadine den Schlüssel. Wir fotografieren wie wild. Mit dem Motorrad kann schnell ein krankes Kind in das nächste Krankenhaus gefahren werden, schneller als mit dem Auto bei den tiefen Löchern in der Straße. Oder Lebensmittel transportiert werden. Das ist schon ein großer Fortschritt.

Als nächstes kommen Ferdinand von der Slow Food Organisation und Oscar: Sie legen auf dem Waisenhausgelände einen Garten an. Das Gelände hatten sie schon vorher besichtigt und vermessen und einen Plan gezeichnet. Ruck zuck ist umgegraben und es stehen kleine Kisten mit Pflänzchen bereit. Die Kinder staunen.

Am zweiten Tag sind wir alle nachmittags versammelt und Bernadine pflanzt ein Avocadobäumchen mit Segenswünschen. Dann darf ich ein Bäumchen pflanzen. Süße Bananen und Kochbananen, Süßkartoffel, irische Kartoffel, Kohl, Sukumawiki und viele andere einheimische Gemüsesorten finden ihren Platz. Ferdinand informiert alle, dass die ersten Gemüsesorten in zwei Monaten geerntet werden können. Unglaublich, ich bin sehr gespannt auf meinen Besuch im November 2014.

Als die Schule geschlossen ist, bringen wir die mitgebrachte Kleidung ins Waisenhaus. Auch Franz und Oliver haben Kleidung für uns transportiert. Im Waisenhaus wird der große Tisch ins Freie getragen und dann packen wir aus und sortieren. Die Kinder sind kaum zu bändigen. Jedes Kind bekommt T-Shirts, Hosen, Röcke oder Kleider. Auch Sandalen haben wir dabei, zu wenige. Sandalen kommen gleich auf die Einkaufsliste und Jacinta sagt mir auch, wo wir einkaufen können und dass es dort günstiger ist als im Supermarkt.

Einige Waisenkinder haben Paten und wir übergeben kleine Geschenke, Briefe und Bilder. Jasmy liest den kleineren Kindern die Briefe vor und schreibt auch kleine Dankesbriefe zurück.

Jasmy bekommt auch einen Brief, Foto der Paten und ein Buch. Sie sitzt auf ihrem Bett und liest den Brief und sie strahlt. Sie ist das älteste Mädchen, 16 Jahre und immer hilfsbereit und sehr fleißig. Immer sieht man sie helfen beim Wäsche waschen, die Kinder duschen, beim Kochen helfen. Jasmy hat die Primary School beendet und wartet auf die Noten. Die Noten entscheiden, auf welche Secondary School sie dann gehen kann oder ob sie eventuell ein Stipendium bekommt.

Ein Besuch im Kakamega-Forest sollte jeder machen, der in die Gegend kommt. Das bedeutet sehr früh aufstehen, um den Sonnenaufgang auf einem Hügel zu genießen. So eine Tour geht nur mit einem Guide. Franz, Oliver, Frankline und Jaqueline haben Glück und können einen deutsch sprechenden Guide buchen. Die vier kommen erst nachmittags zurück und Franz hat sehr viele wunderbare Fotos mitgebracht.

Natürlich wird nicht nur gearbeitet, abends fahren wir auch mal in ein Restaurant und lassen uns dort verwohnen. Manchmal haben wir Glück und es gibt sogar Livemusik.

Für mich sind die Abende in unserem Haus aber eigentlich die schönsten. Die Nachbarkinder sind da und wir albern mit ihnen herum. Bernadine’s Mama unterhält sich mit einer der Nachbarinnen, Jaqueline und Jacinta köcheln, Freunde kommen zu Besuch und bringen als Gastgeschenk ein Huhn mit. 4 neue Hühner hat Frankline jetzt in seinem Hühnerstall. Ich habe Zeit und kann mich mit meinen Patensöhnen unterhalten und erfahren was sie alles erlebt haben im vergangenen Jahr und was sie planen.

Ich könnte noch viel mehr schreiben. Von der Herzlichkeit und Offenheit der Menschen. „Wie lange bleibst Du und wann kommst Du wieder“ werde ich gefragt. 3 Wochen sind viel zu kurz, ein paar Tage sind wir ja auch immer in Nairobi, um Kunsthandwerk einzukaufen. Auch dort haben wir Freunde, die wir treffen und uns zum Essen einladen. Flora besuchte uns mit allen Kindern in unserer Unterkunft. Wir wohnten bei meinem ersten Besuch in Nairobi bei Floras Familie und ich erkenne immer noch alle: Alan, Anita, Agatha, Alexia, Andrew, Angela und Alfons. Es ist ein fröhliches Wiedersehen, ich bekomme ein paar neue Ohrringe und eine selbst gebastelte Weihnachtskarte.

An unserem letzten Tag in Kakamega sind meine Patensöhne wie jeden Tag schon zum Frühstück da. Die letzten Sachen schnell noch in eine Tasche oder Koffer, noch ein paar Fotos mit den drei jungen Männern und die Tränen weg gedrückt. Die Nachbarkinder Gilly und Austin sind gekommen, John, Maurice und seine beiden Söhne sehen ganz traurig aus und verabschieden sich auf Deutsch von mir. Sie haben jeden Tag ein paar Wörter gelernt und wir werden den Unterricht beim nächsten Besuch fort führen.

Bernadines Mama betet und segnet das Auto, das uns nach Nairobi bringt. Meine Jungs und ich drücken uns ganz fest und dann fließen doch die Tränen. Ich freu mich auf mein Zuhause und wäre doch so gerne geblieben.

Sybilla