{"id":6501,"date":"2014-12-15T17:12:42","date_gmt":"2014-12-15T16:12:42","guid":{"rendered":"http:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/?p=6501"},"modified":"2022-10-27T12:13:47","modified_gmt":"2022-10-27T10:13:47","slug":"reise-kakamega-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/reise-kakamega-2\/","title":{"rendered":"Reisebericht Kakamega, November 2014, Teil II"},"content":{"rendered":"<p>J\u00f6rg-Dieter Bischke-Pergande, Hamburg Reisebericht Kenia Kakamega<\/p>\n<p>Afrika, der Angst einfl\u00f6\u00dfende Kontinent. In der deutschen Berichterstattung dominieren Gewalt, Korruption, Krankheit und Armut\u2026 Unsere Verwandten und Freunde reagieren \u00fcberwiegend mit Besorgnis, als die Abreise ansteht: Das traut ihr euch wirklich? Was wird uns also erwarten, meine Tochter Deborah und mich, wenn wir uns auf den Weg machen, um uns vor Ort in Kakamega anzuschauen, was wir bislang nur aus den Erz\u00e4hlungen von Bernadine und Sybilla kennen.<\/p>\n<p>Der erste Eindruck: Nairobi, unwirtlich und h\u00e4sslich. Doch schon das Kolping-Guest-House am Stadtrand \u00fcberrascht angenehm: eine gepflegte Anlage mit freundlicher Betreuung und annehmbaren Zimmern. Von wegen unzumutbare Hygienestandards! Das Wasser aus der Leitung flie\u00dft, Toilettensp\u00fclung und Dusche funktionieren, wenn das Wasser bisweilen auch kalt bleibt. Und Strom ist so eine Sache, mal da, mal nicht, mal wieder da\u2026<br \/>\nUnd dann der Weg von Nairobi nach Kakamega im Nordwesten durch ein erstaunlich gr\u00fcnes Land. Wir fahren durch Tee- und Kaffeeplantagen, erreichen dabei eine Gipfelh\u00f6he von erstaunlichen 2800 Metern. Der Blick hinunter in den afrikanischen Graben ist atemberaubend! Unangenehm nur der Aufenthalt im Hof einer\u00a0 kenianischen Polizeiwache, da unser Fahrer zu schnell unterwegs war und vor dem Schnellrichter auf seine Strafe warten musste. Nach eineinhalb Stunden war aber auch das ausgestanden und die Fahrt konnte fortgesetzt werden.<\/p>\n<p>Dann der herzliche Empfang im Haus von Bischof Julius, eine H\u00fctte, abgelegen mitten im inzwischen n\u00e4chtlich dunklen Wald, nur \u00fcber eine staubige Piste zu erreichen. An die Stra\u00dfen mit ihren krassen Unebenheiten, so dass die Autos immer wieder krachend aufsetzen, m\u00fcssen wir uns in den folgenden Tagen erst noch gew\u00f6hnen! Der Empfang dort wie sp\u00e4ter im Waisenhaus ist von ungewohnter Herzlichkeit. Leute, die man zum allerersten Mal sieht, nehmen einen in den Arm, dr\u00fccken und herzen einen, begeistert dar\u00fcber, dass wir den langen Weg von Europa in den Norden Kenias auf uns genommen haben, trotz der schlechten Nachrichtenlage mit dominierenden Berichten \u00fcber \u00dcberf\u00e4lle der Al-Shabad-Milizen aus dem benachbarten Somalia und trotz Ebola. Ich versuche es in den Gespr\u00e4chen sp\u00e4ter deutlich zu machen: In der deutschen Mentalit\u00e4t dominiere wohl\u00a0der Verstand, in Kenia das Herz! Schnell schlie\u00dfen wir Freundschaft mit Julius, Posh, Evans, Vivian und all den anderen, die uns betreuen und bekochen, uns an ihrem Leben teilhaben lassen, bei unseren Ausfl\u00fcgen durch Stadt und Land \u00a0begleiten, jeden Morgen mit dem Auto in unserer Unterkunft\u00a0abholen, einem Bildungszentrum der Di\u00f6zese Kakamega etwa f\u00fcnf Kilometer au\u00dferhalb, und zu Bernadines Haus oder den Kindern ins Waisenhaus bringen.<\/p>\n<p>Der Empfang dort toppt alles. Schnell verlieren die Kinder ihre anf\u00e4ngliche Scheu, gleich mehrere h\u00e4ngen an uns, sobald wird das Gel\u00e4nde, eingebettet in die zum Fluss hin abfallende gr\u00fcne tropische Landschaft, betreten haben. Die Verteilung der mitgebrachten Kuscheltiere und Klamotten wird zu einem Event, dass ich so schnell nicht vergessen werde. Deborah mit ihren 25 Jahren, den langen blonden Haaren und ihrer offenen, zugewandten Art wird schnell zum Star von Kakamega, da kann auch ich mit meiner Kamera und\u00a0der begehrten Aussicht auf Schnappsch\u00fcsse nicht mehr mithalten.<br \/>\nDoch dann dominieren die zu erledigenden Aufgaben, derentwegen wir gekommen sind: Sind die Moskitonetze noch heil? M\u00fcssen neue Matratzen besorgt werden? Wie sehen die Kleiderspinde aus? Reicht die K\u00fccheneinrichtung aus, um den Hunger der 56 Kinder zu stopfen? M\u00fcssen T\u00f6pfe, Reinigungsmittel, Lebensmittel eingekauft werden? Und, und, und\u2026.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Bild in Bernadines Haus. Der Strom der Besucher l\u00e4sst nicht nach, fast alle haben ein Anliegen, das mit Bernadines Hilfe gekl\u00e4rt werden soll. Selbstverst\u00e4ndlich werden\u00a0die Besucher\/innen\u00a0zum Essen eingeladen, was insbesondere f\u00fcr die immer hungrigen Nachbarskinder erfreulich ist. Verwirrend ist f\u00fcr mich, dass das Grundst\u00fcck von einer Mauer umgeben ist und in einem Wachh\u00e4uschen neben dem Tor nachts zwei W\u00e4chter aufpassen, was allerdings in Kenia bei fast allen bebauten Grundst\u00fccken, Wohnanlagen, Hotels und sonstigen Unterk\u00fcnften der Fall ist. Ist es wirklich so gef\u00e4hrlich, sobald\u00a0es dunkel wird? Ist die Sorge um unsere Sicherheit, ohne Begleitung d\u00fcrfen wir gar nicht erst los, nicht \u00fcbertrieben? Redet das Land, dessen Nachrichten eine reine Kriminalberichterstattung sind, die Gewalt so nicht eher herbei? Wir haben uns jedenfalls keinen Augenblick in Gefahr gef\u00fchlt und k\u00f6nnen das \u00fcber die Medien vermittelte Gef\u00fchl der allgemeinen Unsicherheit so nicht best\u00e4tigen!<\/p>\n<p>Am Ende unseres Aufenthalts, als Deborah und ich etwas fr\u00fcher als Bernadine und Sybilla zum Besuch von Massai Mara, einem der gr\u00f6\u00dften Naturparks in Kenia aufbrechen, steigt eine bewegende Abschiedsparty. Poshs Schwester hat extra f\u00fcr meine Tochter und mich landestypische Kleider gen\u00e4ht, die wir selbstverst\u00e4ndlich gleich \u00fcberziehen. Die Kinder im Waisenhaus verabschieden uns singend und tanzend, so dass\u00a0 wir uns unserer Tr\u00e4nen nicht sch\u00e4men. F\u00fcr Deborah und mich wird\u00a0in dem Moment klar:\u00a0<strong>Wir kommen wieder und versuchen in der Zwischenzeit mit unseren M\u00f6glichkeiten beizutragen, dass es den Kindern im Waisenhaus in Kakamega weiter gut geht!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00f6rg-Dieter Bischke-Pergande, Hamburg Reisebericht Kenia Kakamega Afrika, der Angst einfl\u00f6\u00dfende Kontinent. In der deutschen Berichterstattung dominieren Gewalt, Korruption, Krankheit und Armut\u2026 Unsere Verwandten und Freunde reagieren \u00fcberwiegend mit Besorgnis, als die Abreise ansteht: Das traut ihr euch wirklich? Was wird uns also erwarten, meine Tochter Deborah und mich, wenn wir uns auf den Weg machen,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6458,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[12],"class_list":["post-6501","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news","tag-reisebericht-kenia-sybilla-wunderlich"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6501"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6501\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6458"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}