{"id":6503,"date":"2014-11-15T17:14:44","date_gmt":"2014-11-15T16:14:44","guid":{"rendered":"http:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/?p=6503"},"modified":"2022-10-26T12:10:44","modified_gmt":"2022-10-26T10:10:44","slug":"reise-kakamega-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/quietway.de\/hilfezurselbsthilfe\/reise-kakamega-2-2\/","title":{"rendered":"Bericht \u00fcber die Reise nach Kakamega im November 2014"},"content":{"rendered":"<section class=\"l-section wpb_row height_custom\"><div class=\"l-section-h i-cf\"><div class=\"g-cols vc_row via_grid cols_1 laptops-cols_inherit tablets-cols_inherit mobiles-cols_1 valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Bernadine und ich sitzen im Flugzeug nach Nairobi, mein f\u00fcnfter Besuch in Kenia, Zwischenlandung in Istanbul. Dort treffen wir unsere Mitreisenden Deborah Pergande und Dieter Bischke-Pergande aus Hamburg. Ankunft morgens 4:30 Uhr in Nairobi, es ist k\u00fchl. Wir tauschen am Flughafen unsere mitgebrachten Euros in kenianische Shilling um. Collin vom Kolping-Center in Nairobi ist mit einem Freund gekommen und bringt uns zu unserer Unterkunft. Endlich ein Bett, die Anreise war lang und ich konnte im Flugzeug nicht schlafen.<\/p>\n<p>Um 9 Uhr sitzen wir beim Fr\u00fchst\u00fcck und planen unseren Tag. Erst mal in die Innenstadt zum Hilton-Center. Dort gibt es einen wunderbaren Shop mit Kunsthandwerk und Schmuck und wir st\u00fcrzen uns ins Get\u00fcmmel. Schnell haben wir Ohrringe, Halskettchen und Armb\u00e4nder, aber auch Salatbestecke, Schl\u00fcsselanh\u00e4nger und Schuhe gekauft. Und an der n\u00e4chsten Stra\u00dfenecke gibt es ein \u00e4hnliches Gesch\u00e4ft und auch dort werden wir f\u00fcndig.<\/p>\n<p>Am ersten Abend fahren wir ins Carnivore zum Essen und treffen dort meinen kenianischen Sohn Godfrey und unseren Freund Ben. Es ist ein vergn\u00fcglicher Abend und wir probieren sehr exotische Fleischsorten, nur Deborah und ich sind mutig und probieren die auch die angebotenen, sehr speziellen \u201eFleischb\u00e4llchen\u201c. Die M\u00e4nner am Tisch winken ab, keiner m\u00f6chte Stierhoden schmecken. Da die Nacht sehr sehr kurz war, freuen wir uns auf unsere Betten mit den geflickten und geklebten Moskitonetzen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen fahren wir nach Kakamega. Unser Fahrer ist mit einem gro\u00dfen Auto p\u00fcnktlich zur Stelle und mit unserer Hilfe verstaut er die vielen Koffer. Wir haben wunderbares Reisewetter und wie immer gibt es auf der Fahrt viel zu sehen. Auf einem Hochplateau g\u00f6nnen wir uns eine kurze Rast und Dieter und Deborah bestaunen den Blick in den afrikanischen Graben, wir k\u00f6nnen viele Kilometer ins Land sehen, die weit verstreuten Ansiedlungen wirken von unserem Aussichtspunkt wie Spielzeug. Es weht ein k\u00fchler Wind und wir haben unsere Jacken angezogen, einige Verk\u00e4ufer von Kunsthandwerk preisen ihre Waren an, viele sind auch wunderbar gearbeitet, aber wir sind ja erst am Anfang unserer Reise. Also schnell ins Auto zur\u00fcck und dann fahren wir durch die Kornkammer von Nairobi. \u00dcberall am Stra\u00dfenrand sind Kartoffeln zu Pyramiden aufgebaut, wundersch\u00f6ne gelbe R\u00fcben werden feil geboten, Zwiebeln, viele Gem\u00fcsesorten und auch Pelzm\u00fctzen.<\/p>\n<p>In Nakuru sitzen wir zwei Stunden sp\u00e4ter in einem sch\u00f6nen Restaurant und bestellen erst mal ein k\u00fchles Getr\u00e4nk. Und Zeit f\u00fcr ein kleines Essen bleibt auch. Dann geht es schon weiter, wir werden schlie\u00dflich erwartet. Wir sehen Affen am Stra\u00dfenrand, Zebras und Gnus in unmittelbarer N\u00e4he.<\/p>\n<p>Aber dann passiert es: unser Fahrer wird gestoppt von der Polizei und da wir nicht sofort das geforderte Geld zahlen, m\u00fcssen wir zur Polizeistation. Unser Fahrer m\u00f6chte verhandeln, doch das m\u00f6chte der Polizeichef nicht und bringt unseren Fahrer zum Gericht. Dort wird er in eine Zelle gebracht, es sind noch viele andere Menschen dort und wir m\u00fcssen warten, bis das Gericht entscheidet. Bernadine wollte das geforderte Geld sofort zahlen, aber ich konnte nicht verstehen, dass mit der Polizei dort nicht zu spa\u00dfen ist. Da so viele Unf\u00e4lle passieren, wird sehr oft kontrolliert und die Radarfallen sind gut versteckt. Wir erinnern uns, dass unser Fahrer auf einer Teilstrecke sehr schnell und die Kurven schneidend unterwegs war. Ja, da h\u00e4tten wir ihn ermahnen sollen. Aber jetzt ist es zu sp\u00e4t, wir warten. Bernadine flitzt zwischen der Polizeistation und Gericht hin und her, der Fahrer muss 10.000 Shilling zahlen. Wir teilen uns die Summe, er 5.000 und wir 5.000 Shilling. Ich entschuldige mich bei Bernadine und gelobe, k\u00fcnftig den Geldbeutel schnell zu \u00f6ffnen bei solch brenzligen F\u00e4llen.<\/p>\n<p>Es wird schon dunkel und die Stra\u00dfe ist sehr schlecht, Stra\u00dfenbeleuchtung gibt es leider nicht wie bei uns in Deutschland, auch nicht in den Ortschaften. Kurz vor 20 Uhr erreichen wir Kakamega und fahren gleich zu Bischof Julius. Wir werden sehr herzlich empfangen, Mama Paulina und einige \u00e4ltere M\u00e4dchen vom Waisenhaus sind zum Abendessen gekommen. Mary hat wunderbar gekocht und wir lassen es uns schmecken, sind jedoch todm\u00fcde. Unsere beiden Mitreisenden werden bestaunt, beide haben sehr hellblonde Haare. Wir verabschieden uns relativ schnell und Julius bringt uns zu unseren Quartieren.<\/p>\n<p>Unsere Freundin Posh holt Deborah und Dieter nach dem Fr\u00fchst\u00fcck im Bishop-Stam-Zentrum ab und bringt sie zu uns. Jetzt steht der erste Besuch f\u00fcr die beiden Hamburger im Waisenhaus an und ich bin gespannt. Wir werden von den Kindern mit Liedern und gr\u00fcnen Zweigen in den H\u00e4nden begr\u00fc\u00dft. Die \u00e4lteren Kinder sind noch in der Schule, die erst im Laufe des Monats schlie\u00dft. Auch die 4 Frauen, die f\u00fcr die Kinder sorgen und der Sicherheitsmann f\u00fcr die Nacht freuen sich uns zu sehen. Und ich staune sehr, ein offenes Geb\u00e4ude mit Tischen und B\u00e4nken wurde gebaut, ein Schattendach. Wunderbar, dort k\u00f6nnen die Kinder zum Essen, Hausaufgaben machen und spielen sitzen. Dorthin geht es jetzt und wir stellen Deborah und Dieter vor. Und wir sehen den Garten, der bei unserem letzten Besuch angelegt wurde. Jasmy, das \u00e4lteste M\u00e4dchen im Waisenhaus, erkl\u00e4rt mir, welche Gem\u00fcsesorten dort wachsen. Und sie freut sich, dass ich ohne zu stottern Sukumawiki sagen kann. Das ist ein kenianisches Gem\u00fcse, das sehr oft gekocht wird und pflegeleicht ist.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter machen wir einen Rundgang durch alle R\u00e4umlichkeiten des Waisenhauses, alles ist geputzt und blitzeblank. Die Frauen strahlen als wir sie loben und auch die gro\u00dfen M\u00e4dchen freuen sich, sie haben nat\u00fcrlich bei der Hausarbeit geholfen.<\/p>\n<p>Der Vorratsraum ist fast leer. Also fahren wir in die Stadt und kaufen ein: einen gro\u00dfen Sack Reis, Tee, Zucker, Salz, Tomaten, Zwiebeln und Fleisch. Wir bringen unsere Eink\u00e4ufe ins Waisenhaus und sind sicher, dass die Frauen ein leckeres Abendessen kochen. An unser Abendessen haben wir nat\u00fcrlich auch gedacht und auch gleich f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage eingekauft. Vivian, eine Freundin, ist wie immer in unserem Haus und hilft uns beim Kochen. Und mein zweiter kenianischer Sohn Frankline kommt auch vorbei nach seiner Arbeit. Die Kinder aus der Nachbarschaft sind zur Begr\u00fc\u00dfung gekommen und Gilly und Austin essen mit uns.<\/p>\n<p>In meinem Zimmer stehen 5 Kisten mit je 30 kg Bekleidung und meine 2 gro\u00dfen Koffer. Deborah und Dieter versprechen, mir am n\u00e4chsten Tag beim Sortieren zu helfen. Dann kommt auch schon Posh vorbei und bringt Deborah und Dieter zur\u00fcck in ihre Unterkunft.<\/p>\n<p>Bernadine und ich schreiben den Einkaufzettel f\u00fcr das Waisenhaus, wir wollen am n\u00e4chsten Tag in einem Gro\u00dfhandel einkaufen und unsere G\u00e4ste werden uns begleiten.<\/p>\n<p>Die Fahrt in die Innenstadt von Kakamega finden die meisten Besucher aufregend, die Stra\u00dfe ist voller L\u00f6cher, sehr viele Motorr\u00e4der und Fahrr\u00e4der sind unterwegs und nat\u00fcrlich auch viele Autos, und sehr sehr viele Menschen sind zu Fu\u00df unterwegs. Niemals m\u00f6chte ich hier Auto fahren, au\u00dferdem wird in Kenia auf der \u201efalschen Seite\u201c gefahren. Das traue ich mir nicht zu, da m\u00fcsste ich erst mal in einer ganz ruhigen Gegend \u00fcben.<\/p>\n<p>An beiden Seiten der Stra\u00dfe sind Verkaufsst\u00e4nde. Alles gibt es hier: Gem\u00fcse, Obst, Fische \u2013 frisch oder getrocknet vom Viktoriasee -, Bekleidung, Schuhe, Schl\u00f6sser, Betten und Schr\u00e4nke, sogar S\u00e4rge sind ausgestellt. Erdn\u00fcsse und Maiskolben werden ger\u00f6stet und Fische gegrillt. Die Eindr\u00fccke sind so vielf\u00e4ltig und man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus.<\/p>\n<p>Wir finden direkt vor dem Gesch\u00e4ft eine Parkplatz und die H\u00e4ndlerfamilie kennt uns noch vom letzten Jahr und wei\u00df, dass wir nicht nur wegen einem Sack Reis kommen. Deborah wagt sich in den Laden, der nat\u00fcrlich nicht so aussieht, wie man sich das vorstellt. Die G\u00e4nge sind gerade so breit, dass ein Mensch durchlaufen kann. Aber ein Mitarbeiter hilft uns und schleppt die schweren Sachen in den Eingangsbereich. Auf der Einkaufsliste stehen Reis, \u00d6l zum Kochen, Seife und Waschpulver, Bodylotion, Toilettenpapier in rauhen Mengen und und und. Bischof Julius hat noch einen Freund angerufen, der beim Transport in das Waisenhaus hilft. Wir fahren zu unserer n\u00e4chsten Station, einem Supermarkt, den Nakumat. Dort kaufen wir die Dinge, die der Gro\u00dfhandel nicht hat und sitzen dann auf der Terrasse des Restaurants und lassen uns einen frisch gepressten Mangosaft munden.<\/p>\n<p>Nachmittags sortieren wir zusammen 2 Kisten Kleider aus. Gilly und Austin aus der Nachbarschaft sahen uns nach Hause kommen uns wir versorgen sie erst mal mit Essen, danach suchen wir passende Hosen und T-Shirts. Gleich kommen noch mehr Kinder aus der Nachbarschaft, aber wir haben ja genug zum Verteilen und sind gro\u00dfz\u00fcgig.<\/p>\n<p>Nach und nach verteilen wir in den n\u00e4chsten Tagen die Kleider im Waisenhaus, auch kleine Stofftiere haben wir dabei und eine kleine Kiste mit Matchboxautos. Jeder will ein Auto haben, sie reichen nicht f\u00fcr alle und Bernadine kauft am n\u00e4chsten Tag in der Stadt noch eine Kiste dazu.<\/p>\n<p>Die Stofftiere haben wir auf einen der Tische gelegt und die Kinder aufgefordert, sich eines auszusuchen. Niemand greift zu, mhhh. Deborah macht sofort ein Spiel daraus. Sie nimmt ein Tier in die Hand und h\u00e4lt es hoch: \u201e Wer mir sagt welches Tier das ist, bekommt es geschenkt\u201c. Sofort meldet sich ein kleiner Junge und nimmt das Tier strahlend entgegen. Im Nu sind alle Stofftiere vergeben. Deborah verteilt auch die Kleider, sie h\u00e4lt ein T-Shirt hoch und schaut in die Runde und sch\u00e4tzt die Gr\u00f6\u00dfen ab. Alle sind gl\u00fccklich und zufrieden danach.<\/p>\n<p>Wir lassen uns zeigen, wo die Kleider aufgehoben werden und nachdem ich einen Jungen gelobt habe, dass sein Fach so ordentlich ist und mir w\u00fcnsche, dass die anderen Jungs das auch so machen, finde ich die F\u00e4cher am n\u00e4chsten Tag sehr ordentlich vor.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben wir gedacht, dass die M\u00e4dchen ihre Kleider und T-Shirts sch\u00f6n zusammen legen und \u00fcbereinander setzen in den F\u00e4chern, aber das war nur ein ein sch\u00f6ner Traum. Also alles raus, wir falten die T-Shirts und stapeln sie sch\u00f6n \u00fcbereinander. Mancher \u201eSchatz\u201c wurde geh\u00fctet, der nicht mehr zu reparieren ist und in Absprache mit dem jeweiligen M\u00e4dchen landet das eine oder andere St\u00fcck im M\u00fcll.<\/p>\n<p>Mit Deborah und Dieter besuche ich den Regenwald von Kakamega. Wir nehmen uns einen F\u00fchrer f\u00fcr 3 Stunden, der uns immer wieder auf Besonderheiten aufmerksam macht. Pflanzen, die wir \u00fcbersehen und Tiere, die wir in den Baumwipfeln nie sehen w\u00fcrden. Er f\u00fchrt uns auf einen Berg von dem wir einen unglaublichen Blick haben und dann noch zu einem Fluss mit einem Wasserfall.<\/p>\n<p>Deborah und Dieter m\u00f6chten auch gerne den Massai-Mara-Nationalpark besuchen, doch eine Buchung in Kakamega ist nicht m\u00f6glich. Da wir am n\u00e4chsten Tag nach Kisumu zum Kolping-Center fahren m\u00f6chten, werden wir dort unser Gl\u00fcck versuchen. Und finden ein kleines Reiseb\u00fcro, indem Dieter nach einem sehr unterhaltsamen Gespr\u00e4ch einen Trip bucht. Sonntags soll es los gehen und wir treffen uns danach wieder in Nairobi.<\/p>\n<p>Da Deborah vor unserer Reise ihr Studium beendete und Posh eine kleine Schule hat, wird sie von Posh engagiert und unterrichtet dort f\u00fcr einige Stunden Deutsch und Sport. Einige Bilder davon finden sich auf unserer Homepage.<\/p>\n<p>Mit 12 Kindern des Waisenhauses fahren wir zum Einkaufszentrum, Schuhe einkaufen steht auf dem Programm. Schulschuhe sind der Traum der Kinder, nur mit diesen ist die Schuluniform vollst\u00e4ndig und nur ganz arme Kinder gehen barfu\u00df zur Schule. Als wir mit der Rasselbande auf das Schuhgesch\u00e4ft zugehen, strahlen uns die Verk\u00e4uferinnen und Verk\u00e4ufer schon von weitem an. Das wird ein guter Tag f\u00fcr das Gesch\u00e4ft. Zu den Schulschuhen kaufen wir noch Slipper oder Sandalen und f\u00fcr einige noch Kniestr\u00fcmpfe. Mir ist schon klar, dass bei der R\u00fcckkehr ins Waisenhaus viele Kinder traurig sein werden. Nicht jeder bekommt neue Schuhe, aber wir hatten viele Sandalen aus Deutschland mitgebracht und schon verteilt. Und auch das Jahr davor wurden viele neue Schuhe gekauft.<\/p>\n<p>An unserem letzten gemeinsamen Tag in Kakamega gibt es ein Barbecue im Waisenhaus. Die deutsche und kenianische Flagge werden gehisst und viele Luftballons aufgeh\u00e4ngt. Die Frauen im Waisenhaus haben gekocht, reichlich Fleisch hatten wir besorgt, dazu jede Menge Gem\u00fcse, Kartoffel und Reis. Wir sitzen unter dem Schattendach, sind fr\u00f6hlich und gleichzeitig auch ein bisschen wehm\u00fctig. Alle wissen, am n\u00e4chsten Tag sind Deborah und Dieter nicht mehr da. Dann bemerken wir vor dem Tor Kinder, die uns beobachten. Bernadine geht zum Tor und holt die Kinder zu uns. Es sind Nachbarkinder, die Hunger haben. Schnell sind noch ein paar Teller gef\u00fcllt und wir r\u00fccken ein wenig zusammen und machen Platz f\u00fcr die Kinder.<\/p>\n<p>Nach dem Essen betet Bischof Julius und dankt f\u00fcr Deborah\u2019s und Dieter\u2019s. Er \u00fcbergibt Deborah ein kenianisches Trikot mit der Aufschrift \u201ePride of Kenya\u201c, einen Kikoi f\u00fcr ihre Mutter und sagt ihr, dass sie jetzt in Kenia eine neue, zweite Familie gefunden hat, immer und jederzeit herzlich willkommen ist, auch alle Freunde und Familienangeh\u00f6rige. Und er meint das auch wirklich so, es ist keine Floskel. Deborah ist sehr ger\u00fchrt und dann flie\u00dfen die Tr\u00e4nen. Mir schie\u00dfen die Tr\u00e4nen auch in die Augen und deshalb gibt es von diesen Szenen nur ein Foto und das ist auch noch verwackelt. Auch Dieter bekommt ein Geschenk und wird gedr\u00fcckt und gek\u00fcsst. Ein kleiner Junge fragt, warum Deborah jetzt weint, es ist doch nichts trauriges passiert. Da kommen uns schon wieder die Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Abends essen wir zusammen im Bishop-Stam-Zentrum und Chefk\u00f6chin Winni freut sich sehr uns zu sehen. Da Deborah und Dieter am n\u00e4chsten Morgen sehr fr\u00fch aufstehen m\u00fcssen, bleiben wir nicht lange. Wir sehen uns ja in ein paar Tagen wieder.<\/p>\n<p>Bernadine und ich fahren noch ein paar Mal in die Stadt und kaufen f\u00fcr das Waisenhaus ein. Putzmittel, Waschpulver und Seife, \u00d6l zum Kochen, Tee, Zucker, Salz und vieles mehr f\u00fcr einige Monate und bringen es in den Vorratsraum. Mais und Bohnen besorgen wir, einen ganzen Pick-Up voll. Auch Holz lassen wir anliefern, die Frauen kochen mit Holzfeuer. Mein Traum w\u00e4re ja ein Kochhaus, in dem die Frauen mit Gas kochen. In meinem Kopf hab ich es schon fast fertig geplant. Ich werde den Plan bis zu unserer n\u00e4chsten Reise aufs Papier bringen und mit John in Kakamega besprechen. Den Platz hab ich schon ausgesucht. Die jetzige K\u00fcche im Waisenhaus ist zu klein und letztes Jahr wurde aus dem restlichen Blech eine H\u00fctte gebaut, indem die Frauen bei schlechtem Wetter kochen.<\/p>\n<p>Zu schnell geht wieder unser Besuch in Kakemega zu Ende und dieses Mal wollen wir von Kisumu aus nach Nairobi fliegen. Das geht schnell und kostet auch nicht mehr als ein Auto zu mieten. Man hat uns bei der Buchung des Fluges versichert, dass das Gep\u00e4ck kein Problem ist. Mal seh\u2019n. Ganz glaub ich es nicht.<\/p>\n<p>An unserem letzten Abend in Kakamega gehen wir indisch essen, Bernadine schickt uns alleine vor, sie hat mal wieder ein dringendes Telefonat erreicht und sie nimmt sich ein Taxi. Als sie sp\u00e4ter ins Restaurant kommt, erz\u00e4hlt sie, dass sie im Krankenhaus war bei Esther. Esther ist eine junge Frau, die wir finanziell unterst\u00fctzen, sie besucht eine Schneiderschule. Wir hatten uns schon gewundert, dass wir nichts von ihr geh\u00f6rt hatten und sie ging auch nicht an ihr Telefon. Jetzt wissen wir, sie ist schwer krank und eine Krankenschwester hatte das Telefon geh\u00f6rt, abgenommen und mit Bernadine gesprochen. Wir hoffen sehr, dass Esther sich schnell wieder erholt und wir sie n\u00e4chstes Jahr in die Arme schlie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bischof Julius hat uns zum Abschied Taschen geschenkt und uns gesegnet. Bernadines Mama betet mit uns und m\u00f6chte uns gar nicht aus den Armen lassen. Sie hatte uns ein paar Tage zuvor mit ein paar Liedern unterhalten und abends sa\u00dfen Bernadine und Mama Rita oft sehr lange zusammen und redeten.<\/p>\n<p>Die Nachbarkinder stehen mit ernsten Minen im Garten, sie wissen, dass sie uns lange nicht mehr sehen werden. Roger, Agnes, Mourice und seine Jungs verabschieden sich. Vivian weint und umarmt uns, Lea ist traurig und bedankt sich bei uns f\u00fcr die Unterst\u00fctzung. Dabei hat sie uns geholfen. Vivian und Lea k\u00fcmmern sich immer um den Haushalt, kochen, r\u00e4umen auf, Waschen unsere W\u00e4sche, da wir ja oft den ganzen Tag unterwegs sind und versorgen unsere Besucher mit Tee und leckerem Essen. Frankline und Eric begleiten uns nach Kisumu, so haben wir noch Zeit, um miteinander zu reden. Dann hei\u00dft es Abschied nehmen von meinen Jungs, ich vermisse die beiden immer sehr, aber n\u00e4chstes Jahr komme ich wieder. Ein kleiner Trost bleibt mir, in Nairobi treffen wir Godfrey wieder f\u00fcr ein paar Tage, er ist mein drittes Patenkind. Nat\u00fcrlich sind die drei jetzt gro\u00dfe junge M\u00e4nner und k\u00f6nnten mir auf den Kopf spucken. Wenn ich die drei sehe, dann kann ich nur sagen: es hat sich gelohnt, f\u00fcr die Jungs das Schulgeld und die Ausbildung zu zahlen.<\/p>\n<p>Beim Aufgeben unserer Koffer haben wir \u00dcbergep\u00e4ck, das bedeutet zahlen. Aber egal, es h\u00e4lt sich im Rahmen. Nach einer Zwischenlandung in Eldoret kommen wir sicher in Nairobi an und Collin bringt uns sicher und schnell zum Kolping-Center. Dieter erwartet uns und er erz\u00e4hlt uns noch von all den wunderbaren Dingen, die er in der Massai-Mara erlebt hat. So viele Tiere hat er nicht erwartet.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag besuchen wir den Massai-Markt und kaufen nach langem Feilschen, das geh\u00f6rt einfach dazu, noch Kunsthandwerk f\u00fcr die M\u00e4rkte hier in Deutschland ein. Den Gro\u00dfteil der Sachen senden wir nach Deutschland, nur einen kleinen Teil nehmen wir im Koffer mit zur\u00fcck. Aber auch privat schlagen wir ganz sch\u00f6n zu. Die Schals kann man einfach nicht ignorieren mit den prachtvollen Farben. Und Sandalen gibt es in rauhen Mengen, allen Farben und Formen. Als Geschenk und nat\u00fcrlich auch zum Verkauf sind sie sehr begehrt.<\/p>\n<p>Freitags hat Deborah Geburtstag. Bernadine hat eine Torte bestellt und ist den ganzen Tag in der Stadt verschwunden. Wir langweilen uns im Kolping-Center, die Koffer sind gepackt. Dann ist Bernadine zur\u00fcck und wir dekorieren den Raum, den wir f\u00fcr den Abend reserviert haben. Die kenianische und deutsche Flagge werden angebracht, ich blase unendlich viele Luftballons auf und wir dekorieren den Tisch mit wundersch\u00f6nen bunten T\u00fcchern und den Geschenken. Unser Freund Ben hat seine Stereoanlage mitgebracht. Alles geschieht im Geheimen, Deborah soll \u00fcberrascht werden und wir bringen die Torte und Geschenke durch eine Hintert\u00fcre in den Raum. Dann ist es soweit: das Abendessen ist fertig und Deborah ist ganz \u00fcberrascht, als wir den Raum betreten. Nach einem Geburtstagsst\u00e4ndchen lassen wir uns das leckere H\u00fchnchen schmecken und Deborah verteilt sp\u00e4ter auch Kuchen an das Personal und anderen G\u00e4ste des Kolping-Centers, die sich sehr \u00fcber diese \u00dcberraschung freuen und ihr auch sehr herzlich gratulieren.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Morgen fahren wir zum Flughafen, nur Deborah, Dieter und ich fliegen heute ab. Bernadine bleibt noch eine Woche in Nairobi. Ich f\u00fchle mich schrecklich, mich hat es erwischt, eine starke Erk\u00e4ltung. Meine Augen sind geschwollen und in meinem Hals kratzt es. Hoffentlich werde ich nicht ernsthaft krank. Bernadine und Godfrey verabschieden sich, es war eine sehr kurze Nacht und Godfrey muss am fr\u00fchen Morgen auch wieder arbeiten. Im Flughafen kaufe ich mir Eukalyptusbonbons, die ich den ganzen Flug \u00fcber lutsche, um den Hustenreiz zu lindern. In Istanbul habe ich nur einen kurzen Aufenthalt, mein Flug ist schon aufgerufen und in Frankfurt wartet mein Mann. Ich freu mich auf zuhause, aber\u2026..<\/p>\n<p><strong>Sybilla<\/strong><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bernadine und ich sitzen im Flugzeug nach Nairobi, mein f\u00fcnfter Besuch in Kenia, Zwischenlandung in Istanbul. Dort treffen wir unsere Mitreisenden Deborah Pergande und Dieter Bischke-Pergande aus Hamburg. Ankunft morgens 4:30 Uhr in Nairobi, es ist k\u00fchl. 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